Nationalistenführer will den Euro abschaffen
Le Pens Erfolg markiert keine Rechtswende

Für eine rechtsextreme Welle in Frankreich gibt es trotz des Überraschungssieges von Nationalistenführer Jean-Marie Le Pen keine Anzeichen.

cn PARIS. Der Chef des rechtsextremen "Front National" (FN) verdankt seinen Erfolg vor allem der Schwäche der etablierten Parteien und der Treue seiner Wähler, wie erste Wahlanalysen ergaben.

Le Pen vereinigte nur 200 000 Stimmen mehr auf sich als bei der Präsidentschaftswahl 1995, als er auf 15,3 % kam. "Deshalb ist sein Erfolg vor allem auf das Desaster der Sozialisten zurückzuführen", sagt Philippe Méchet von Meinungsforschungsinsitut Sofres in Paris. Deren Kandidat Lionel Jospin verlor im Gegensatz zu 1995 fast 2,5 Millionen Stimmen. Nur 5 % davon liefen zu Le Pen über. Dass der Nationalist diesmal auf 17 % kam, verdankt er zudem der niedrigen Wahlbeteiligung der Franzosen: Fast ein Drittel der Wähler blieben den Urnen fern.

Zweiter Grund für Le Pens Sensations-Erfolg: Im Gegensatz zu den beiden großen Parteien, Gaullisten und Sozialisten, blieben ihm viele Wähler von 1995 treu. Le Pens Klientel sind vor allem "kleine Leute": Fast ein Drittel der Arbeitslosen wählte den rechtsextremen Bretonen, dazu 24 % der Arbeiter und 18 % der Angestellten - in etwa dieselben Werte von 1995.

Auch sein geographisches Einzugsgebiet konnte Le Pen nicht ausweiten. Wie in der Vergangenheit findet er seine Wähler östlich einer Linie Le Havre-Lyon-Perpignan. Vor allem Départements an der Grenze zu Deutschland wie Haut-Rhin und Bas-Rhin im Elsass sowie die Gegend des Rhône-Tals sind FN-Hochburgen. Hier erzielte der Nationalistenführer durchweg über 19 % der Stimmen.

Überraschend zulegen konnte Le Pen unter den Landwirten: 18 % von ihnen stimmten für ihn. "Dabei leben sie meist auf dem Land - und damit weitab von Problemen wie Kriminalität und hohem Ausländeranteil, die den Kern von Le Pens Programm bilden", wundert sich Meinungsforscher Méchet.

Mit seinem Motto "Sozial stehe ich links, wirtschaftlich stehe ich rechts, und national bin ich Franzose" erinnert Le Pen an faschistische Wahlparolen. Sein widersprüchliches Wirtschaftsprogramm dürften nur wenige Franzosen kennen. Einerseits verspricht der 73-Jährige, die Vermögenssteuer abzuschaffen und die Abgabenquote (derzeit 46 %) in der Verfassung auf 35 % zu begrenzen. Außerdem will er die Staatsausgaben in zehn Jahren um 110 Mrd. Euro (4,2 % pro Jahr) senken. Zugleich kündigt er massive Investitionen in die Streitkräfte und neue Sozialausgaben an. Und seine erste Maßnahme als Präsident? "Der Austritt aus Maastricht-Europa, damit Frankreich seine Freiheiten wiederfindet", antwortet Le Pen. Danach will er den Euro abschaffen und den Franc wiedereinführen.

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