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Nationalmannschaft wohnt während der WM in Berlin

Berlin wird zum WM-Quartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die Amerikatour 2005 ist abgesagt, und bei der Asienreise sind neben drei Neulingen auch ein Psychologe mit an Bord.

dpa RUST. Berlin wird zum WM-Quartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die Amerikatour 2005 ist abgesagt, und bei der Asienreise sind neben drei Neulingen auch ein Psychologe mit an Bord.

Mit einer Fülle von weit reichenden Entscheidungen stellten Bundestrainer Jürgen Klinsmann und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Weichen für die nahe und ferne Zukunft. Völlig überraschend verabschiedete das erstmals unter der neuen Doppelspitze tagende DFB-Präsidium auf seiner Sitzung im Europapark Rust einen geheim gehaltenen Antrag von Klinsmann, die WM-Herberge im Endspiel- Ort der Titelkämpfe zu beziehen.

"Wir sind überglücklich mit der Entscheidung. Wir müssen uns beim DFB, bei der DFL und bei Bayer Leverkusen bedanken", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, der gemeinsam mit Assistenztrainer Joachim Löw den in seiner Wahlheimat USA weilenden Klinsmann vertrat. Der Bundestrainer hatte derweil via email das 22- köpfige Aufgebot für die Asienreise vom 13. bis 22. Dezember nach Japan, Südkorea und Thailand bekannt gegeben. Als Neulinge berief er den Bielefelder Allrounder Patrick Owomoyela, den Schalker Linksverteidiger Christian Pander und den Wolfsburger Torhüter Simon Jentzsch. Zudem soll mit Dr. Hans-Dieter Hermann erstmals ein Sportpsychologe das deutsche Team begleiten.

Von noch größerer Bedeutung ist die Quartier-Entscheidung pro Berlin, wo die DFB-Auswahl am 20. Juni auch ihr letztes Gruppenspiel bestreitet. "Wir denken, dass sich die Mannschaft in der Hauptstadt präsentieren muss. Wir wollen im Fußballfieber drin sein", begründete Bierhoff die Wahl. Die Mannschaft wird im brandneuen Amateurstadion von Hertha BSC in Sichtweite des Olympiastadions trainieren, wo sie sich bereits im September auf das Länderspiel gegen Brasilien vorbereitet hatte. Als Herberge dienen dem DFB-Tross die 54 Zimmer im Schlosshotel Grunewald, einem der traditionsreichsten Häuser der Stadt und nur 15 Autominuten vom Trainingsplatz entfernt.

Die ersten Reaktionen auf Klinsmanns Berlin-Votum waren rundum positiv. "Ich freue mich über das klare Bekenntnis des Trainergespanns für die Bundeshauptstadt. Das ist ein gutes Zeichen für Berlin", sagte Bundesinnenminister Otto Schily. "Der Entschluss für Berlin ist ein wichtiges Signal und kann die Aufbruchstimmung, die momentan herrscht, verstärken", meinte Formel-1-Serienweltmeister Michael Schumacher. Und Basketballstar Dirk Nowitzki urteilte: "Berlin - eine gute Entscheidung, dass die Mannschaft sich in der Stadt vorbereitet, in der sie am 9. Juli 2006 im Olympiastadion das Finale gegen Brasilien spielen will."

Den Weg freigemacht für Berlin hatte Bayer Leverkusen, das unter Klinsmann-Vorgänger Rudi Völler als WM-Quartier ausgesucht worden war. Nach Angaben des DFB gibt es mit der Bayer AG eine "einvernehmliche Lösung", wie der geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger formulierte: "Wichtig ist, dass wir uns nicht vor Gericht, sondern auf vernünftigem Weg geeinigt haben." Wie diese Einigung aussieht, wollte die DFB-Spitze nicht verraten. Es gehe nicht um einen finanziellen Ausgleich, betonte DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder: "Ich bin sehr froh, dass wir diese Lösung gefunden haben. Der Dank geht an Leverkusen, das Verständnis dafür aufgebracht hat, dass ein neuer Trainer andere Vorstellungen haben kann.".

Möglicherweise wird der DFB im WM-Jahr ein oder zwei Begegnungen in der Bayarena austragen. Anstelle der abgesagten Amerika-Tour bestreitet die Nationalelf in der WM-Saison mehrere Freundschaftsspiele, darunter in der Slowakei und in Italien sowie zuhause gegen Japan und China. Unmittelbar nach dem Bundesliga-Finale ist ein zweiteiliges WM-Trainingslager geplant, die "erste Halbzeit" mit Familienangehörigen.

"Wir haben bei allen gemerkt, dass das sportliche Herz am stärksten schlägt. Alle haben an einem Strang gezogen, das war sehr schön", kommentierte Bierhoff die Verhandlungen. Schon bei der Asienreise wird die neue sportliche Führung ihren Erneuerungs-Weg mit der Verpflichtung Mitnahme eines Mentaltrainers fortsetzen. "Wir sind sehr zufrieden damit, dass uns für die wichtige Aufgabe im mentalen Bereich ein Psychologe zur Verfügung steht, der bereits viel Erfahrung in der Arbeit mit Spitzensportlern gesammelt hat", sagte Klinsmann.

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