Nationen investieren in Athleten
Länderkampf: Aus Geld mach’ Gold!

Sportjournalisten erwarten, dass China in diesem Jahr die USA vom Spitzenplatz des Medaillenspiegels verdrängen. Dabei sprechen auch wirtschaftliche Gesichtspunkte für das Reich der Mitte: Im Nationenkampf investiert kein Land mehr. Aber auch Russland lässt die Gelder fließen, und so kommt es auch in Peking zum Ringen der weltpolitischen Giganten.

BERLIN. Das renommierte amerikanische Wochenmagazin "Sports Illustrated" nahm den Kampf der Supermächte um die Vorherrschaft im Weltsport in seiner aktuellen Ausgabe schon mal vorweg. Nach einer Vorausschau auf alle 302 olympischen Wettkämpfe prophezeite Autor Brian Cazeneuve folgenden Medaillenspiegel: 1. China (49 mal Gold), 2. USA (45 mal Gold) 3. Russland (25 mal Gold). Damit kommt es auch in Peking zum Ringen der weltpolitischen Giganten.

Auf die Operation "Bejing 2008" hat man sich in den drei Nationen dabei auf ganz eigene Weise vorbereitet. "China will den zweiten Platz verteidigen", stapelte Jiang Xiaoyu, Vizepräsident des Pekinger Organisationskomitees zwar tief, aber Chinas Olympiamannschaft ist mit 639 Athleten so groß wie nie zuvor. Und nichts würde das Gastland mehr erfreuen, als den USA den Spitzenplatz bei den Goldmedaillen streitig zu machen. Die Chinesen werden deshalb alle ihre Stärken ausspielen - und eine davon ist ihre Akribie. Universitäten arbeiten als Dienstleister für das Sportsystem, vor allem wenn es um Biomechanik, Trainingswissenschaft sowie Sportmedizin geht. Und in Sportschulen werden die Athleten früh an den Leistungssport herangeführt. Geld ist dafür in großen Mengen vorhanden. Wie viel die chinesische Regierung in den Sport investiert, weiß zwar keiner genau, aber das amerikanische Magazin "Newsweek" schätzte kürzlich, dass es in den letzten fünf Jahren mehr als drei Milliarden Dollar gewesen seien.

In Sportarten, in denen die Chinesen bislang noch nicht so erfolgreich waren, haben sie Spitzentrainer aus dem Ausland verpflichtet. Vor allem aber ist China unschlagbar, wenn es um Masse geht. In dem mit etwas über 1,3 Milliarden Einwohnern größten Land der Welt gilt der Sport immer noch als Möglichkeit, sozial aufzusteigen. 46 700 Athleten gehören zu Provinz-Auswahlmannschaften an, 15 924 zu den Nationalmannschaften und 3 222 Athleten zum Olympiakader.

Zum Fürchten? Nicht für Russlands Sportfunktionäre, die allesamt im Sowjetischen Sportfördersystem groß geworden sind. Nach einem Jahrzehnt gewaltiger Probleme bei der Umstellung vom staatlichen gelenkten Sport hin zu einem Sportsystem, das aus Staatszuschüssen und privaten Geldern finanziert wird, rief Ex-Präsident Wladimir Putin unlängst von den Erfolgen im Fußball, Tennis, Eishockey und Boxen bestärkt aus: "Ein Goldenes Zeitalter des russischen Sports hat begonnen!" Und so hat sich eine gewaltige Delegation aus 900 Sportlern und Funktionären auf den Weg Richtung China gemacht, um die Stärke Russlands zu demonstrieren. "Wir haben alles getan, damit die Athleten auf dem Sockel der Ehre wieder Platz nehmen können", versicherte Sportminister Vitali Mutko Ende Juni pathetisch in der Moskauer Duma.

Auch im wieder erstarkenden Russland spielt Geld keine Rolle: 325 Millionen Euro hat Russland in die "Mission Gold" gesteckt. Mehr als 350 Trainer trimmten die Sportler für Peking auf Höchstleistung. Um für die entscheidende Motivation zu sorgen, will das Moskauer NOK vor Beginn der Spiele die Prämien erhöhen. "50 000 US-Dollar für eine Goldmedaille, das ist doch nicht mehr zeitgemäß", betonte Mutko und verwies auf die Zusammenstellung eines finanzstarken Förderkreises, der dem NOK zusätzlich umgerechnet 9,5 Millionen Euro Siegprämien zur Verfügung stellt. Bei angepeilten 40 Siegen könnte dies neben den Prämien für Bronze und Silber für Gold eine Aufstockung auf 160 000 Euro bedeuten.

Trüge Geld allein zu Siegen - die Athleten aus den USA könnten sich auf einen Verlust des ersten Medaillen-Ranges schon mal einstellen. Umgerechnet 16 000 Euro werden für Gold bezahlt, das ein Zehntel dessen, was die Kollegen aus Russland bekommen. Aber in Amerika werden Spitzensportler seit jeher von Werbepartnern und Privatsponsoren bei Laune gehalten. So ruhen die Hoffnungen auf den Millionären Michael Phelps (Schwimmen), Tyson Gay (Leichtathletik) und den NBA-Profis um Kobe Bryant.

Nur, mehr als zehn bis fünfzehn Gold-Medaillen kämen so gerechnet nicht zustande. Ob 130 Millionen Dollar Sportförderung für US-Athleten dann noch "zeitgemäß" sind im ausgeuferten Kampf der Giganten? Wahrscheinlich nicht.

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