Nato-Generalsekretär reist mit Solana nach Skopje
Robertson bezeichnet Lage in Mazedonien als "kritisch"

Angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Lage in Mazedonien will Nato-Generalsekretär George Robertson am Donnerstag nach Skopje fliegen.

ap SKOPJE/BRÜSSEL. Die Situation sei kritisch, sagte Robertson am Mittwoch in Brüssel. Zuvor hatte die mazedonische Regierung damit gedroht, die internationalen Vermittlungsbemühungen zu boykottieren. Außerdem stellte sie den albanischen Extremisten ein Ultimatum zum Rückzug aus der Gegend von Tetovo. Aus Furcht vor neuen Kämpfen flohen von dort mehr als 8 000 Menschen.

"Das Land steht vor schwerwiegenden Entscheidungen", sagte Robertson und forderte die Konfliktparteien auf, "dem Weg des Friedens, nicht des Krieges zu folgen". Der Versuch einer militärischen Lösung werde das Land zerstören, sagte er. Auf seiner Reise wird Robertson vom Außenpolitischen Vertreter der Europäischen Union, Javier Solana, sowie vom Vorsitzenden der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Mircea Geona, begleitet. Jegliche Provokation müsse aufhören, forderte der Nato-Generalsekretär. "Mazedonien darf nicht zu einem Ort der ethnischen Säuberung werden."

Trotz des Ultimatums seitens der mazedonischen Regierung planten der EU-Vermittler Francois Leotard und der US-Gesandte James Pardew nach Angaben aus Diplomatenkreisen einen neuen Vermittlungsversuch. In einer gemeinsamen Erklärung drohten Verteidigungsminister Vlado Buckovski und Innenminister Ljuben Boskoski: "Wenn die Rebellen sich nicht bis zum Mittag in ihre vorherigen Stellungen zurückziehen, werden wir nicht länger auf die Vorschläge westlicher Vermittler hören, und eine Offensive als Lösung wird nicht ausgeschlossen."

Westliche Botschaften angegriffen

Vorausgegangen war eine neue Welle der Gewalt, die sich gegen Einrichtungen der Nato-Staaten richtet. Eine Gruppe von mehreren hundert Randalierern zerstörte am Dienstagabend in der Innenstadt von Skopje den Eingang der deutschen und der britischen Botschaft. Auch die US-Botschaft wurde mit Steinen beworfen. Fahrzeuge der OSZE und der UN gingen in Flammen auf. Ferner wurde ein Mc-Donald's-Restaurant angegriffen. Rund 3 000 Menschen demonstrierten vor dem Parlament gegen die NATO und warfen ihr vor, die albanischen Separatisten zu unterstützen. Der Fernsehsender Deutsche Welle berichtete, ein deutscher Reporter und ein Kameramann seien verletzt worden.

Bundesaußenminister Joschka Fischer reagierte auf die Ausschreitungen in Skopje mit massiver Kritik an der mazedonischen Regierung. Vorwürfe, die internationalen Vermittler machten gemeinsame Sache mit den albanischen Separatisten, entbehrten jeder Grundlage, sagte er. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Rudolf Scharping berichtete Fischer dem Kabinett über die Situation in Mazedonien. Der Zeitpunkt für einen Nato-Einsatz in Mazedonien sei noch immer offen, erklärten sie. Jede Terminangabe sei reine Spekulation. Fischer verurteilte ferner den Bruch der Waffenruhe durch albanische Extremisten.

In Tetovo, der zweitgrößten Stadt des Landes, gingen die Kämpfe zwischen albanischen Extremisten und Regierungstruppen weiter, wie aus Militärkreisen verlautete. Medienberichten zufolge eroberten die Rebellen in der Nacht mehrere Polizeistützpunkte. Die Regierung in Skopje hatte bereits am Dienstag eingeräumt, dass die Rebellen Geländegewinne erzielt hätten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%