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NATO verstärkt Kosovo-Truppe vor jugoslawischen Bundeswahlen

Vier Tage vor den jugoslawischen Bundeswahlen hat die NATO am Mittwoch in der unter UNO-Verwaltung stehenden Provinz Kosovo im Süden des Landes mit der Verstärkung ihrer Truppen begonnen.

Reuters PRISTINA. 2000 zusätzliche Soldaten aus westeuropäischen Ländern sollen das Aufflammen neuer Gewalt in der Provinz verhindern helfen. Am Vortag verhaftete die NATO im Kosovo nach eigenen Angaben drei Mitglieder einer serbischen Terroristengruppe. Zudem kam es in nächster Nähe der Provinzgrenze zu Serbien zu einem Zusammenstoß zwischen serbischen Sicherheitskräften und albanischen Separatisten, bei dem nach Angaben der Separatisten drei albanische Kämpfer getötet wurden.

Die ersten 600 zusätzlichen NATO-Soldaten stammen aus Großbritannien. Insgesamt sollen vier Bataillone mit Soldaten auch aus Frankreich, Italien und Griechenland stationiert werden und die 36 000 Mann starke NATO-Truppe unterstützen. Am Sonntag wird in Jugoslawien der Präsident und das Bundesparlament gewählt, zudem finden in Serbien Kommunalwahlen statt. Obwohl im Kosovo nach einer UNO-Resolution nur die internationale UNO-Verwaltung Wahlen ausrichten darf, werden rund 100 000 serbische Kosovaren an den Bundeswahlen teilnehmen. Dazu hatte sie Jugoslawiens Präsident Slobodan Milosevic aufgerufen, der zur Wiederwahl antritt. Die UNO-Verwaltung richtet im Kosovo am 28. Oktober Kommunalwahlen aus.

Die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen richten sich gegen eine neue Welle der Gewalt zwischen Angehörigen der serbischen und der albanischen Bevölkerung. Am Dienstag entdeckte die NATO in der mehrheitlich von Serben bewohnten Enklave Gracanica im Versteck der serbischen Terroristengruppe ein umfangreiches Lager an Waffen und Sprengsätzen. Bei zwei der Terroristen handelt es sich nach NATO-Angaben um Mitglieder einer Spezialeinheit der jugoslawischen Armee aus Nis in Serbien. Sie seien offensichtlich zur Vorbereitung von Bombenanschlägen in den Kosovo geschickt worden. Der Kosovo ist mehrheitlich von Albanern bewohnt.

Der Zusammenstoß zwischen der serbischen Polizei und einer albanischen Guerillatruppe ereignete sich nach albanischen Angaben in der Nacht zum Mittwoch bei Dobrosin im Presevo-Tal nördlich der Provinzgrenze des Kosovo mit dem restlichen Serbien. Dobrosin ist eine albanische Enklave. Die NATO-Truppen, die eine zwischen Jugoslawien und der UNO vereinbarte Sicherheitszone an der Grenze überwachen, bestätigten den Vorfall zunächst nicht. Westliche Regierungen hatten die Presevo-Albaner zuvor aufgefordert, sich nicht provozieren zu lassen, um Milosevic keinen Vorwand für eine Offensive der jugoslawischen Armee zu liefern.

Die jugoslawischen Bundestruppen und Sicherheitskräfte haben sich im vergangenen Jahr nach Luftangriffen der NATO aus dem Kosovo zurückziehen müssen. Wegen der Grausamkeiten, die bei der Verfolgung und Vertreibung der albanischen Bevölkerung des Kosovo verübt wurden, ist Milosevic vom internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter Anklage gestellt worden.

Unterdessen wurde im Kosovo erstmals ein Serbe wegen seines Vergehens im Kosovo-Krieg verurteilt. Das Urteil sprach ein mit Albanern besetztes Gericht aus. An der Verhandlung hatte zudem ein international bestellter Richter teilgenommen. Der 21-jährige Milos Jokic erhielt wegen Mordes und Anstiftung zum Mord 20 Jahre Gefängnis. Die Anklage hatte ihm vorgehalten, die Taten verübt zu haben, um die albanische Bevölkerung im Kosovo zu terrorisieren. Serbische Richter und Zeugen hatten das Verfahren boykottiert.

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