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Nato will 1000 Soldaten mehr nach Mazedonien schicken

Die Nato will rund 1000 Soldaten mehr als ursprünglich geplant nach Mazedonien schicken, um dort vermutlich rund 3000 Waffen der albanischen Rebellen einzusammeln.

rtr SKOPJE. Vor allem aus administrativen und logistischen Gründen würden 4500 statt 3500 Soldaten entsandt, sagte ein Nato-Vertreter am Freitag in Brüssel. In westlichen Diplomatenkreisen in der mazedonischen Hauptstadt Skopje hieß es, die Schätzung der Nato von mehr als 3000 Waffen sei "glaubwürdig, genau und nicht verhandelbar". Der Nato-Kommandeur in Mazedonien, Generalmajor Gunnar Lange, sagte, es liege eine glaubwürdige Zahl vor. Ein mazedonischer Regierungsvertreter kündigte an, die Regierung werde die Nato-Schätzung akzeptieren.

"Der Schutz der Streitkräfte macht einen Teil des Anstiegs aus. Doch er beruht vor allem auf administrativen und logistischen Gründen", sagte der Nato-Vertreter. Pläne für eine verstärkte Bewaffnung der Soldaten zum eigenen Schutz seien ihm nicht bekannt. Nach jüngsten Nato-Angaben soll sich die Bundeswehr mit 400 Soldaten beteiligen. Ein Regierungssprecher sagte in Berlin, es bleibe bei der Beschlussvorlage des Kabinetts für den Bundestag, die von bis zu 500 deutschen Soldaten ausgehe. Das Kabinett hatte am Donnerstag der Beteiligung der Bundeswehr zugestimmt. Das Parlament entscheidet voraussichtlich in der kommenden Woche. Die FDP wird der Regierung wohl die Mehrheit im Bundestag für den Einsatz der Bundeswehr sichern. Über die Zahl der abzuliefernden Waffen herrschte bislang Uneinigkeit, weil die Schätzungen weit auseinander gingen. Die Rebellen sprachen von 2300, das mazedonische Innenministerium von mindestens 60 000 Waffen. "Die ersten Zahlen, die wir (von den Rebellen) erhalten haben, waren nicht wirklich glaubwürdig", sagte Lange. "Ich glaube, die Zahl, die wir jetzt haben, ist glaubwürdig und nah an den Schätzungen unserer Aufklärung." Die Schätzung von mehr als 3000 Waffen bestätigte er jedoch nicht. Aus Regierungskreisen war zuvor verlautet, bis zum Ende des Wochenendes würden sich Nato-Experten und Vertreter der mazedonischen Regierung auf eine Schätzung einigen.

Die Regierung in Skopje ist offenbar bereit, trotz unterschiedlicher eigener Schätzungen die Zahl der Nato zu akzeptieren. "Es besteht kein Zweifel, die Nato wird in dieser Sache das letzte Wort haben", sagte ein Regierungsvertreter Reuters. Die Regierung sei nicht in der Position festzusetzen, wie viele Waffen mindestens eingesammelt werden müssten. Die Rebellen hatten sich im Friedensabkommen zur freiwilligen Waffenabgabe verpflichtet. Die Nato hatte die Entwaffnungserklärung für einen Einsatz ebenso zur Bedingung gemacht wie eine stabile Waffenruhe. Der Nato-Einsatz soll innerhalb von 30 Tagen abgeschlossen sein. Ab kommender Woche soll die Nato die ersten Waffen einsammeln. Die mazedonische Regierung befürchtet, die Rebellen könnten einen Teil ihrer Waffen behalten und nach dem Abzug der Nato wieder einsetzen.

Russlands Präsident Wladimir Putin warf den westlichen Staaten vor, Waffenlieferungen aus der mehrheitlich von Albanern bewohnten, südserbischen Provinz Kosovo nicht unterbunden zu haben. Er forderte die Nato der Nachrichtenagentur Interfax zufolge auf, härtere Maßnahmen gegen die Rebellen zu ergreifen. Lange räumte ein, trotz verstärkter Überwachung der Grenzen zum Kosovo könne der Waffenschmuggel nicht völlig verhindert werden.

Am Mittwoch hatte die Nato den Marschbefehl erteilt. Hunderte britische und französische Soldaten sind in Mazedonien eingetroffen. Das größte Kontingent soll mit 1200 Soldaten Großbritannien stellen, gefolgt von Frankreich mit 1100.

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