Natur-Aktien-Index hat Indizes für nachhaltige Geldanlage und konventionelle Börsenbarometer abgehängt
Der kleinste Öko-Index läuft am besten

Die Börse belohnt zukunftsfähige Unternehmen - diese Überzeugung teilen immer mehr Anleger. Dabei wird die Zukunftsfähigkeit an ökologischen und sozialen Kriterien gemessen. Wer gezielt nach den entsprechenden Aktien sucht, sollte sich mit den darauf spezialisierten Indizes befassen.

FRANKFURT/M. Die so genannten nachhaltigen Investments, bei denen Renditen mit gesellschaftlichem Nutzen verbunden werden, sind auf dem Vormarsch. Bislang boten sich für diese Anlageform vor allem Aktienfonds an. Nach Angaben des Hannoveraner Instituts Markt Umwelt Gesellschaft (Imug) werden derzeit in Deutschland knapp drei Mrd. Euro in etwa 64 sozial-ökologischen Fonds verwaltet - das ist doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Seit Anfang Mai drängen verstärkt Zertifikate auf den Markt. Zudem beschäftigen sich immer mehr Analysten mit dem Thema.

Nachhaltigkeitsindizes bieten Orientierung im Dschungel für diese Geldanlagen. Diese Kursbarometer helfen bei der Suche nach sozial und ökologisch korrekten Titeln. "Wer keinen Fonds kaufen will, pickt sich für sein Depot die bereits vorselektierten Papiere heraus, die ihm am besten gefallen", rät Philipp Nimmermann, Fachmann für ethische Investments bei der BHF-Bank. Mehrere große Indexanbieter haben inzwischen derartige Aktienbarometer im Programm: Am bekanntesten ist hier zu Lande der seit 1999 bestehende Sustainability Global Index von Dow Jones (DJSGI); 2001 folgte aus dem gleichen Haus eine speziell auf Europa zugeschnittene Indexfamilie. Der britische Anbieter FTSE taufte seine Messlatten für ethisches Investieren im gleichen Jahr auf den Namen FTSE4Good. Vom Indexanbieter Stoxx gibt es den europäischen Aspi-Nachhaltigkeitsindex. Ökologische Anlagen lassen sich seit 1997 am kleineren Natur-Aktien-Index (NAI) messen. Der NAI ist ein Gemeinschaftsprodukt der Zeitschrift "natur & kosmos" aus München und des österreichischen Börsenfachmanns Max Deml. Speziell für amerikanische Investments gibt es den Domini Social Index, für britische den NPI Social Index.

In ihrer Zusammensetzung unterscheiden sich die Nachhaltigkeitsindizes erheblich: Dow Jones verfolgt bei seiner Indexfamilie den so genannten "Best of Class"-Ansatz. In dem speziell für europäische Anleger geschaffenen Stoxx Sustainability Index (SSI) werden aus jeder Branche des Dow-Jones-Stoxx-600-Index jeweils die besten 20 % der Unternehmen ausgewählt, die unter ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien besser arbeiten als die Konkurrenz. Die Bewertung übernimmt der hierauf spezialisierte Schweizer Finanzdienstleister Sustainable Asset Management (SAM). Der Index enthält derzeit 149 Unternehmen aus 14 Ländern. Wie auch beim Aspi-Index, für den das französische Ratingbüro Arese die Unternehmen auswählt, sind ökologisch fragwürdige Branchen wie Ölkonzerne nicht völlig ausgeschlossen. Einzelne Unterindizes von Dow Jones klammern aber Branchen wie Alkohol, Tabak, Glücksspiele und Feuerwaffen aus.

Dagegen arbeitet der britische Indexanbieter FTSE bei seinen Nachhaltigkeitsbarometern mit festen Aufnahmekriterien. Ausgewählt werden mit Hilfe des Forschungsinstituts EIRIS Firmen, die gute Leistungen beim Umweltschutz, der Einhaltung der internationalen Menschenrechte und bei Kundenbeziehungen vorweisen. Waffenproduzenten oder Betreiber von Kernkraftwerken sind ausgeschlossen.

Der NAI konzentriert sich vornehmlich auf Themen wie erneuerbare Energien oder konsumnahe Titel aus den Bereichen Ernährung, Kleidung und Freizeit. Mit nur 20 gleichgewichteten Titeln, vorwiegend aus der zweiten oder dritten Reihe, werden anders als bei den oben genannten größeren Indizes lange nicht alle Branchen oder Länder abgebildet.

Die Spezialisierung des NAI hat sich ausgezahlt: Fünf Jahre nach seiner Gründung hat er im Frühjahr bei gut 2 020 Punkten eine neue Bestmarke erreicht, das entspricht einem Plus von mehr als 100 %. Bislang konnte er dieses Niveau etwa halten. Konventionelle Aktienindizes sind dagegen von ihren Höchstständen weit entfernt, der DJSGI und der FTSE4Good übrigens auch.

Siehe auch Interview zu Pensionsfonds:

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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