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Tags vor der Aufsichtsratsitzung von AOL Time Warner in der vergangenen Woche breitete die New York Times genüsslich aus, wer alles für die Absetzung des AOL Gründers Steve Case als Chairmen des weltweit größten Medienkonglomerats sei. Der Grund: Die Megafusion sei gescheitert, die Aktionäre wollten Köpfe rollen sehen.

Natürlich wurde Steve Case nicht abgesetzt. Ein Konzernsprecher sagte: Der Aufsichtsrat habe sich über die strategische Neuausrichtung des Onlinedienstes AOL informieren lassen - über eben jenes Unternehmen, welches den dreimal größeren Medienriesen Time Warner vor zwei Jahren schluckte und nun wie ein Mühlstein den Kurs nach unten zieht. Drei Probleme muss der Onlinedienst AOL bis zum Frühjahr lösen: Das Mitgliederwachstum sinkt, die Kunden wechseln zu den schnelleren Kabelnetzbetreibern. Und die Online Werbeeinnahmen sinken dramatisch.

Nach anfänglichen Erfolgen in Europa, Asien und Südamerika ist AOL heute auf allen lokalen Märkten abgeschlagen und verliert hunderte Millionen Dollar. So ist das Drehbuch für den nächsten Akt schon geschrieben: Gerade jetzt sei die Erfahrung von Steve Case gefragt, ließ der Vorstandschef und alte Time Warner Mann Dick Parsons wissen. Und: "Steve hat meine volle Unterstützung." Lese auch: Kriegt AOL die Kurve nicht, haben die Aktionäre auf der Hauptversammlung im Frühjahr freie Hand. Dann bleibt noch der letzte Akt der jetzt schon von einigen Time Warner Managern hinter den Kulissen favorisiert wird: Abspaltung von AOL als eigenständiges Unternehmen und zurück zur alten Herrlichkeit von Time Warner. Also: Stay tuned!

Andreas Schmidt war CEO von AOL Europe und der Bertelsmann E Group. -Commerce Er lebt in New York.

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