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Aktionär gesucht

Jetzt also doch: Frankreichs größte Tageszeitung Le Monde sucht einen Partner, der den Verlag mit rund 50 Millionen Euro rekapitalisieren soll.

Lange hatte die Verlagsleitung einen entsprechenden Handelsblatt-Bericht dementiert, jetzt ging Le-Monde- Chef Jean-Marie Colombani öffentlich in die Offensive: Er will bis zu 35 Prozent des Kapitals der operativen Holding verkaufen.

Colombani dürfte dabei die gleichen Probleme haben wie sein Kollege Serge July, Verlagschef der "Libération". Dieser sucht bereits seit Jahren einen Partner. So unbestritten die journalistische Qualität beider Zeitungen ist, so wenig attraktiv erscheint es, in die Objekte zu investieren. Zu lange schon hält die Talfahrt der Tagespresse an.

Im Hinblick auf ihre Bedeutung als unabhängige Kontrollinstanz sind Zeitungsverlage keine Unternehmen wie alle anderen. Fatal wäre es, wenn Frankreichs Tageszeitungen - wie beim "Figaro" geschehen - als Anhängsel großer Industriekonzerne enden würden, die sich die Blätter quasi als teures Hobby leisten.

Den Ausweg aus der Krise muss zum einen das Management finden: Innovative Formate wie die Tabloid-Zeitungen in England und Deutschland scheinen erste Erfolge zu verzeichnen. Mit neuen Formaten allein kann man der Zeitungskrise aber nicht beikommen: Das überholte Beschäftigungsmonopol der Gewerkschaften im Bereich Druck und Produktion gehört ins Geschichtsbuch verbannt. In Frankreich bestimmen die Gewerkschaften, wie viele und welche Arbeitnehmer in einer Zeitungsdruckerei arbeiten dürfen. Die Abschaffung dieses Anachronismus erfordert von Frankreichs Regierenden kein Geld, sondern Mut.

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