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Anschluss gesucht

Der Super Bowl brachte es an den Tag: Wir brauchen endlich HD-TV in Deutschland, hoch auflösendes Fernsehen mit scharfen Bildern.

Natürlich ist damit nicht der denkwürdige Halbzeitauftritt von Janet Jackson und Justin Timberlake gemeint, sondern schlicht das Vergnügen, erstklassige Sportereignisse in Kinoqualität erleben zu können. So wie es am Sonntag die Gäste im Berliner Sony-Center auf Großbildleinwand konnten und eine Handvoll Abonnenten des Pay-TV-Senders Premiere mit Satellitenzugang.

Das ist wie ein Fenster in eine andere Welt. In den USA senden rund 1 000 Stationen zeitweise ein HD-Signal an ihre Kundschaft. Rund 38 % aller Hollywood-Soaps wurden 2003 schon in HD produziert, berichtete David Bush von Sony in Berlin. Und Sender wie CBS bringen fast die gesamte Prime-Time hoch auflösend. Sogar China hat den HD-Probebetrieb aufgenommen.

Hier dagegen trauert man eher dem fehlgeschlagenen Experiment D2-Mac aus dem vergangenen Jahrtausend hinterher, und die Bild-Zeitung ruft entsetzt den kollektiven TV-Schock aus, wenn nur darüber nachgedacht wird, 2006 eine Fußball-Weltmeisterschaft im Kinoformat auszustrahlen. Schwarze Balken an den Bildschirmrändern - das schlimmste, was einem deutschen Fußballfreund anscheinend passieren kann.

Aber so ist das, wenn man in der medialen Nahrungskette ganz am Ende rangiert. Fußball ist ein hartes Geschäft. Wenn zig Millionen Amerikaner und Asiaten hoch auflösendes Bildmaterial verlangen, hat das (finanzielles) Gewicht. Wir sollten lieber den Anschluss suchen, statt weiter zu lamentieren.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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