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BBDO wagt die Revolte

Deutschlands größte Werbegruppe begehrt gegen ihre amerikanische Konzernmutter Omnicom auf. Ganz traditionell auf dem Postweg schickte Rainer Zimmermann, Chef der BBDO Germany, zusammen mit seinen Partnern den Protest in die Zentrale in der Avenue of the Americas 1285, New York.

Die Deutschen weigern sich schlichtweg, noch mehr Personal auf die Straße zu setzen - sie befürchten einen massiven Qualitätsverlust durch weiteren Arbeitsplatzabbau. Die Sparpolitik hat auch für die Expansion Folgen: Die Vorgaben der knallharten Rechner von Omnicom blockieren derzeit den Kauf zweier Agenturen.

Der Schock der börsennotierten US-Werbeholding über die Revolte sitzt offenbar tief. Eine Antwort steht aus. Noch nie wagte eine Auslandstochter so offen den Widerstand. Dabei ist die Position der Deutschen kein Einzelfall: Auch andere BBDO-Agenturen, wie beispielsweise in Frankreich oder Spanien, schütteln über die "Targets" der Konzernherren den Kopf.

Deutschlandchef Zimmermann kann der Reaktion aus New York gelassen entgegensehen. Er tritt erwartungsgemäß im April nächsten Jahres ab. Seine beiden designierten Nachfolger Hubertus von Lobenstein und André Kemper stehen allerdings unter Druck. Das mit vielen Vorschusslorbeeren versehene Tandem soll die BBDO Germany - auch kreativ - wieder nach vor bringen. Doch bei aller Liebe zur Kreativität: am Schluss entscheiden die Zahlen. Daran kann auch ein Protestbrief aus Düsseldorf nichts ändern.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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