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Bei Grimme wird alles gut

Das Adolf-Grimmee-Institut hat seine Finanzkrise bewältigt. Seine Chef, der ehemalige Redakteur Bernd Gäbler, konnte dies nun an seine Gesellschafter melden.

Der Chef des Adolf-Grimme-Instituts, Bernd Gäbler, macht dieses Jahr frohen Herzens Urlaub. Das im nordrhein-westfälischen Marl beheimatete Institut hat seine schwere Finanzkrise bewältigt. "Insgesamt bewegen sich alle Daten im Rahmen unserer Wirtschaftsplanung, und wir sind sehr optimistisch, unsere ambitionierte positive Zielsetzung mindestens zu erreichen", schrieb der frühere Redakteur vor wenigen Tagen an seine Gesellschafter WDR, ZDF, Deutscher Volkshochschulverband, NRW-Landesanstalt für Medien und die NRW Medien GmbH. Im vergangenen Oktober konnte das vor drei Jahrzehnten gegründete Medieninstitut nur mit der Hilfe des Steuerzahlers vor der Pleite gerettet werden:

Die Stadt Marl, die mit drei Prozent beteiligt ist, stundete die Jahresmiete von 66 000 Euro und die landeseigene NRW Medien half mit einem Darlehen von 185 000 Euro dem Grimme-Institut aus der Patsche. Außerdem stieg die Firma, die Medienprojekte der Landesregierung koordiniert, für 15 000 Euro mit zwölf Prozent als Gesellschafter ein. Damit hatte der Deutsche Volkshochschulverband - den Medien-Staatssekretärin Miriam Meckel (SPD) intern als konservativ kritisierte - zur Freude der rot-grünen Landesregierung seine Mehrheit verloren. Obwohl sich Meckel dafür einsetzte, Gäbler an der Spitze des Adolf-Grimme-Instituts abzulösen, durfte er am Ende bleiben.

Doch seit der Beinahe-Pleite muss er Monat für Monat Finanzreports abliefern. So listet der 50-jährige Bochumer rechtzeitig zur Sommerpause in einem internen Papier auf, dass er für 2003 mit einem Jahresüberschuss von 112 000 Euro rechne. Außerdem verkündet er die Erfolgsmeldung: Genau 738 Exemplare des Fernseh-Jahrbuches 2003 sind verkauft.

Aber an große, neue Töpfe kommt Gäbler nicht heran. Sein Plan, Privatsender als Gesellschafter für Grimme zu gewinnen, ist längst fehl geschlagen. Pro Sieben oder RTL haben keine Lust, den Hort öffentlich-rechtlicher Fernsehkultur zu sanieren. Deshalb bleibt Gäbler nichts anderes übrig, als weiter fleißig zu sparen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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