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Berlin zeigt Flagge

Das waren noch (Medien-)Zeiten: Im Jahr 2001 charterte das Land Nordrhein-Westfalen während der Filmmesse in Cannes eine mondäne Yacht. Staatssekretärin Miriam Meckel flog ein, um für den Filmstandort an Rhein und Ruhr die Werbetrommel zu rühren.

Das waren noch (Medien-)Zeiten: Im Jahr 2001 charterte das Land Nordrhein-Westfalen während der Filmmesse in Cannes eine mondäne Yacht. Staatssekretärin Miriam Meckel flog ein, um für den Filmstandort an Rhein und Ruhr die Werbetrommel zu rühren. Doch der Auftritt galt als teuer und wenig effektiv. Folge: Mittlerweile hat NRW den Geldhahn für solche Inszenierungen in Südfrankreich abgedreht.

Nun nimmt Berlin einen neuen Anlauf. Das Medienboard Berlin-Brandenburg lud auf der diesjährigen Filmmesse Mipcom in ein feines Fünf-Sterne-Hotel zum Umtrunk am Swimmingpool ein. Der Empfang der Medienboard- Chefin Petra Müller in Cannes war hinsichtlich der Anzahl der Gäste ein voller Erfolg. Dicht gedrängt unterhielten sich mehr als 100 Leute am frühen Abend über das aufstrebende Geschäft mit Filmen, Serien und Dokumentationen. Der Aperitif auf Kosten der Berliner war für die meisten der Messebesucher eine willkommene Gelegenheit, entspannt zu plaudern.

Es gab nur ein Problem. Die eigentliche Zielgruppe - Investoren aus Hollywood oder europäischen Ländern - war weit und breit nicht zu sehen. An diesem Abend sprach man in Cannes deutsch. Für absurdes Theater sorgte die kleine Diskussionsrunde, die für Berlin die Werbetrommel rühren sollte. Denn prominente Gäste wie Ufa-Chef Wolf Bauer oder Filmproduzent Nico Hofmann ("Der Tunnel", "Stauffenberg") mussten auf Englisch ihr Glaubensbekenntnis zur Hauptstadt abliefern. Doch das interessierte die meisten kaum noch. Nach einem langen, harten Messetag hatten die deutschen Gäste keine Lust mehr auf Standortreklame für die Hauptstadt.

Der Fehlstart Berlin- Brandenburgs in Cannes kann das Medienboard aber verschmerzen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat schließlich jüngst durchgesetzt, die Filmförderung um drei Mill. Euro auf 18,5 Mill. Euro zu erhöhen. Darauf lässt sich mit einem Glas Champagner unter mediterraner Sonne auf jeden Fall anstoßen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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