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Big Brother à la ZDF

Wenn das ZDF zu seinen ehrwürdigen Tagen der Fernsehkritik einlädt, dürfen Polit-Promis nicht fehlen.

Diesmal bildeten die beiden Ministerpräsidenten Peter Müller und Peer Steinbrück das Duett, um über "Die Politik und ihre Vermittlung" zu streiten. Doch der Auftritt entpuppte sich als Journalistenschelte. Steinbrück ("Wir sind täglich im Big-Brother-Container") warf den Medien Banalisierung und Personalisierung vor. Dabei hatte das Polit-Tandem selbst nur Banales oder Persönliches zu bieten. Müller beispielsweise definierte die Politik mal wieder als eine andere Form des Schauspiels. Und Steinbrück klärte auf, weshalb er Büttenreden im rheinischen Karneval scheut wie der Teufel das Weihwasser.

Und Moderator Theo Koll? Der Chef des "unerschrockenen" Magazins "Frontal 21" zitierte selbstgefällig Shakespeare, statt den Medienpolitikern auf den Zahn zu fühlen: Wieso sind ARD und ZDF stärker denn je im Würgegriff der Politik? Wieso strafen Politiker Medienhäuser wegen Kritik mit Boykott ab? Wieso sind für Erstwähler die Nachrichten auf dem Big- Brother-Sender RTL 2 die wichtigste Informationsquelle? Keine Fragen, keine Antworten.

Vielleicht war das auch gar nicht Sinn und Zweck der Übung? Ein harmonischer Abend mit hartnäckigen Gegnern einer Gebührenerhöhung wie Steinbrück ist wenige Wochen vor der Entscheidung wohl allemal wertvoller als ein kontroverser Diskurs über den Zustand von Politik und Medien in unserem Land.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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