NAVIGATOR
Casting statt Kandidatenauswahl

Das Fernsehen dominiert die Wahrnehmung von Politik und Politikern in einem Maß wie nie zuvor.

Dies ist eine zentrale Erkenntnis zum Ende des Wahljahres 2002: Was nicht im Fernsehen gezeigt oder gesagt wurde, ist nicht passiert. Verstärkt wurde diese Tendenz sicher durch die beiden TV-Duelle - ein Novum in der Geschichte deutscher Wahlkämpfe. Besonders deutlich wurde die fast totale TV-Dominanz während der Flut im August: Gerhard Schröder, bis dahin als Tut-Nix-Kanzler gebrandmarkt, wurde in den Augen der Wählermehrheit dank täglicher TV-Präsenz wieder zum handlungsfähigen und führungsstarken Kanzler. Die CDU/CSU ging mit ihren Themen Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum in der Flut unter. Und der Spaßwahlkampf der FDP brach endgültig zusammen, als Parteichef Westerwelle sein zentrales Flut-Interview mit blau-gelbem Pulli im Guidomobil neben der 18-%-Lampe gab.

Kein Wunder, wenn künftig in allen Parteien immer mehr auf die Fernsehtauglichkeit ihrer Spitzenpolitiker geachtet wird als auf ihre inhaltliche Substanz. TV-Casting statt Delegiertenwahl - ist das die Zukunft? In den USA wird diese Horrorvision im nächsten Präsidentschaftswahlkampf schon Wirklichkeit: Das größte Cable-Network will nach dem Muster des deutschen Popstar-Wettbewerbs in 1000 Vorausscheidungen den dritten Präsidentschaftskandidaten küren, der dann auch tatsächlich antreten soll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%