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Dichtung und Wahrheit

Die IT-Welt blickt ab heute nach Luxemburg. Dort befindet der Europäische Gerichtshof darüber, ob die EU-Kommission mit der Kartellstrafe gegen Microsoft das Geschäftsmodell des Softwareriesen bedroht. Auch wenn die Anhörung der offizielle Start ist, der Kampf um die Gunst von Gerichtspräsident Bo Vesterdorf hat längst begonnen.

Dabei wird mit allen Mitteln gearbeitet. So verkündete jüngst die Free Software Foundation Europe - sie setzt sich für frei zugängliche Software ein und wird in dem Verfahren als "dritte Partei" gehört - dass Microsoft mit dem Antrag auf Ausschluss der FSFE gescheitert sei. Eine gewagte Behauptung, schließlich ist ein solcher Antrag nicht dokumentiert. Microsoft hat einer Teilnahme der FSFE sogar offiziell zugestimmt.

Doch auch das ist wiederum nur die halbe Wahrheit. Schließlich können es sich die Microsoft-Juristen in dem Brief nicht verkneifen, im Anschluss an ihre kurze Zustimmung ausführlich darzustellen, warum die FSFE doch nichts in der Anhörung zu suchen hat. Die Organisation gehöre nicht zu den Betroffenen des Verfahrens, heißt es. Und: "Unter diesen Umständen ist es eine ungeklärte Frage, ob gerechterweise klargestellt werden kann, dass die FSF Europe ein direkter Nutznießer der von der Kommission auferlegten Gegenmittel ist". Nun sind solche "dichterischen Freiheiten" der Verteidiger durchaus üblich. Dennoch zeigen sie, mit welchen harten Bandagen in Luxemburg gefochten wird.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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