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Digitale Taschendiebe

Da ist die Buchindustrie gerade noch mal an der Internetpiraterie vorbeigekommen und nun das: Immer häufiger findet man an japanischen Buchläden kleine Schilder mit Inhalten wie „Wir bitten Sie, ihr Handy hier nicht zu benutzen“.

Da ist die Buchindustrie gerade noch mal an der Internetpiraterie vorbeigekommen und nun das: Immer häufiger findet man an japanischen Buchläden kleine Schilder mit Inhalten wie "Wir bitten Sie, ihr Handy hier nicht zu benutzen". Hier wollen keine kundenorientierten Ladeninhaber Ruhezonen für entspanntes Schmökern schaffen. Sie wollen schlicht den "Digital Pickpockets", den "digitalen Taschendieben", wie sie genannt werden, an den Kragen.

Seit Nippons Mobiltelefone mit ebenso unscheinbaren wie leistungsstarken 2-Megapixel-Kameras ausgerüstet sind, ist es Volkssport, sich einzelne Fachbuchseiten oder Artikel sowie anregende Fotos aus Hochglanzmagazinen für die lange Zugfahrt nach der Arbeit einfach abzuknipsen. Die Resultate können sich sehen lassen. Waren grobpixelige VGA-Kameras, wie sie in Europas Handys noch Standard sind, keine Gefahr, sind mit den mobilen Megapixel-Handys der Neuzeit selbst Seiten mit filigranen japanischen Schriftzeichen richtig scharf anzusehen.

Die digitale Revolution frisst ihre Kinder und der Handyindustrie kann es nur recht sein. Bald wird jeder ein kameraloses Zweithandy für den Besuch des Popkonzerts oder der Bibliothek brauchen. Sonst heißt es: "Ich muss leider draußen bleiben".

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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