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Ebay contra Buchhandel

Heil ist die deutsche Bücherwelt nicht mehr. Der Verkauf von Büchern über das Internet schreitet schnell voran. Innerhalb von fünf Jahren stieg der Umsatz mit Büchern im Netz um fast das Fünfzehnfache.

Nach außen hin gibt sich der traditionsreiche deutsche Buchhandel selbstbewusst. Die Botschaft des Börsenvereins lautet: Trotz eines Umsatzrückgangs im vergangenen Jahr ist und bleibt der

Sortimentsbuchhandel mit großem Abstand der größte und wichtigste Vertriebskanal für das Medium Buch.

Das ist durchaus richtig. Weit mehr als die Hälfte aller Leser suchen auch im Internet-Zeitalter weiter einen Laden in ihrer Stadt auf, um sich ihren neuesten Harry Potter oder die Erinnerungen von Hillary Clinton zu kaufen. Doch so heil wie die deutsche Bücherwelt scheint, ist sie längst nicht mehr. Denn der Verkauf über das Internet schreitet in Sieben- Meilen-Stiefeln voran. Der Umsatz mit Büchern über das weltweite Netz stieg im Jahr 2002 um mehr als die Hälfte auf 438 Mill. Euro. Vor fünf Jahren waren es gerade mal 30 Mill. Euro.

Und dann lauert noch eine andere Gefahr: Das Internet eignet sich hervorragend, um relativ neue Bücher für einen Bruchteil des Ladenpreises an den Kunden zu bringen. Mehr als 100 Internet-Seiten umfasst etwa die Bücherliste des populären Internet-Auktionshauses Ebay. Mit Billigangeboten wie einem gut erhaltenen 29-bändigen Bertelsmann-Lexikon samt Weltatlas, gebunden in feines Leder, für schlappe 201 Euro - ein Bruchteil des Originalpreises - können herkömmliche Buchhändler nicht mehr mithalten. Da hilft auch das beste Gesetz zur Buchpreisbindung nichts.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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