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Ein neues Horrorjahr

Einsparen, einstellen, entlassen, zusammenlegen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten sind diese Begriffe nicht nur das Vokabular der Printjournalisten, sondern auch ihr Schicksal.

Gute Journalisten stehen auf der Straße, hunderte sind noch von Entlassung bedroht, bei einer Reihe von Regionalzeitungen läuft die Lebensuhr ab. 2002 war ein Horrorjahr für die Printmedien, 2003 könnte noch schlimmer werden. Dass personell abgespeckt wird, dass Beilagen eingestellt und Synergie-Effekte genutzt werden, ist notwendig. Natürlich kann man auch mit 50 Journalisten weniger eine gute FAZ machen, und die "Süddeutsche" bleibt auch ohne "Jetzt" lesenswert.

Viele Zeitungen und Zeitschriften hatten in den guten Jahren wirklich Speck angesetzt, und bei manchen Blättern waren Redaktionen so aufgebläht, dass sich einige Reporter und Redakteure Hamburger Wochenblätter erlauben konnten, jahrelang ihre "Schreibhemmung" zu pflegen. Und es rächt sich jetzt, dass im Boom nach dem Mauerfall auch zweitklassige Bewerber als Journalist Karriere machen konnten. Dass diese Zeiten vorbei sind, ist sicher kein Fehler.

Allerdings sind manche Verlage in Gefahr, heute die Axt an künftige Erfolge zu legen. Wer jetzt zu viel zusammenlegt und damit Wettbewerb außer Kraft setzt, wer jetzt gute Rechercheure und herausragende Schreiber auf die Straße setzt, schwächt seine Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft. Denn irgendwann ist die Krise vorbei, zumindest die Konjunkturkrise, und dann hat im Wettbewerb um den Leser wieder der die Nase vorn, der die besseren Reporter, Schreiber und Blattmacher hat - und nicht der, der am meisten gespart hat.

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