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Ferne Ufer ganz nah

Wenn die Inder trotz Greencard nicht zu uns kommen wollen, dann gehen wir eben zu ihnen. Wir beauftragen sie, unsere Rechenzentren zu schmeißen und Applikationen für unsere Firmennetze zu entwickeln.

Wenn die Inder trotz Greencard nicht zu uns kommen wollen, dann gehen wir eben zu ihnen. Wir beauftragen sie, unsere Rechenzentren zu schmeißen und Applikationen für unsere Firmennetze zu entwickeln. Da dafür der in den allgemeinen Sprachschatz eingewanderte Anglizismus "Outsourcing" nicht mehr exotisch genug klingt, nennen IT-Spezialisten das "Offshoring" - da schwingt die Angst vor dem Kontrollverlust gleich mit: Die Leine zur IT-Abteilung ist gekappt und das Rechenzentrum treibt einsam davon.

"Near shore" klingt da schon sympathischer - damit ist das Outsourcing nach Osteuropa gemeint. Da kann man zur Not mal eben hinfahren, wenn?s brennt. Doch nun gibt es einen Kompromiss, formuliert von einem indischen IT-Dienstleister auf dem von Marcus Evans veranstalteten CIO-Gipfel in Montreux. "Dual Shore" heißt das angstnehmende Zauberwort - die eine Küste auch da liegt in Indien, die andere aber gleich um die Ecke: Deutsche Ansprechpartner fungieren als Vermittler zwischen dem Kunden und den Dienstleistern im fernen Indien.

Man mag sich über die Wortschöpfungen der IT-Berater amüsieren, doch der Hintergrund ist ernst: Outsourcing und gar Offshoring halten oft nicht das, was sie versprechen. Auf dem CIO-Gipfel wurde deutlich: Der Aufwand, die Leistungen der Dienstleister zu überwachen, ist für die Auftraggeber meistens größer als erwartet.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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