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Keine Einfälle, nirgends

1992 bat Hans Meiser erstmals zum TV-Talk. Durch die hohe Einschaltquote motiviert, fanden sich viele mehr oder weniger erfolgreiche Nachahmer. Kopieren statt kreieren setzte sich auch bei anderen Formaten durch.

Quiz- und Gerichtsshows werden, nachdem sie erfolgversprechend getestet wurden, im privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehen - leicht variiert - programmiert. Doch nicht jede Kopie findet ihre Zuschauer, und Günther Jauch ist auch nicht zu klonen. TV-Ware ist eben verderblich. Und die Halbwertzeit einer guten Programmidee wird immer kürzer. Wenn TV-Kommissarinnen sich als erfolgreichere Täter- und Quotenfänger erweisen, heißt das für die männlichen Spürnasen nichts Gutes. Auf allen Kanälen ermittelt fortan der weibliche Charme.

Das oft kritisierte Produkt Fernsehen mit all seinen gleichartigen Sendungen und dem geringen Mut zur Innovation steht aber nicht allein da. Auch in anderen Branchen unterscheiden sich die Produkte konkurrierender Unternehmen nur marginal. Am Kiosk hängt eine Vielzahl nahezu identischer Zeitschriften. Das Angebot der Sportartikelhersteller differenziert sich vor allem durch das aufgenähte Emblem. Versicherungen profilieren sich mehr durch Optik als durch Leistungen. Über den Kauf eines Autos entscheiden Image und Preis, während sich Motorisierung und Ausstattung oft verblüffend ähneln.

Haben wir keine Einfälle mehr? Oder will es der Markt so? Ach, der Markt. Dem sind unsere Kreativitäts- und Innovationsschmerzen egal. Nur der Erfolg zählt. Ganz gleich, ob kopiert oder kreiert.

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