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Keine Rüge für den Hunger auf Sex

Sex sells sagte sich die Bild-Zeitung und ließ die Republik mit Plakaten voll kleben. Begierig blubberte da die Reklame-Frau: "Mittags krieg ich Hunger. Auf Sex." Mehr Appetit bekamen die Leser auf die Bild-Zeitung damit im letzten Jahr allerdings nicht.

Vielmehr verspürten potenzielle Kunden den Wunsch, sich über die unappetitlichen Poster zu beschweren. Mehr als 1 000 Protestbriefe gingen beim Werberat ein. In den letzten 30 Jahren hat kein einziger Reklamefeldzug einen solchen Widerspruch hervorgerufen.

Zu einer öffentlichen Rüge mochte sich das Selbstregulierungsorgan der Werbewirtschaft mit dem Argument der Pressefreiheit freilich nicht durchringen. Eines ist aber klar, die Diskriminierung von Frauen bleibt mit großem Abstand das Hauptproblem- mit und ohne Rüge.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht. Selbst in Zeiten großer Konsumzurückhaltung und rückläufiger Werbeausgaben nehmen die Provokationen auf den Rücken von Frauen und älteren Menschen nicht zu. Das beweist die gestern vorgelegte Statistik: Die Zahl der kritisierten Werbekampagnen ging um ganze 11 % auf 270 zurück. Offenbar merken auch immer mehr Unternehmen: Sex sells - aber nicht immer.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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