NAVIGATOR: Klassenkampf von Endemol

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Klassenkampf von Endemol

Das hätte sich Karl Marx nicht träumen lassen. Seine (angestaubten) Erkenntnisse müssen herhalten, um für die mittlerweile fünfte Staffel von "Big Brother" die Werbetrommel zu rühren.

"Opium fürs Volk" prangt in großen Lettern auf den knallroten Plakaten, mit denen RTL 2 derzeit die Republik zuklebt. Ab 2. März wird die Neuauflage der in die Jahre gekommenen Reality- Show aus dem Hause Endemol täglich im Abendprogramm des Bertelsmann-Senders an den Start gehen. 365 Folgen warten auf die Zuschauer.

Mit "Big Brother 5" nehmen Endemol und RTL 2 Abschied vom Proletenfernsehen. Als Kandidaten wurden erstmals auch Hochschulabsolventen ausgewählt, die "geistreich, eloquent, kultiviert" sein sollen und von A wie Algebra bis Z wie Zölibat Bescheid wissen. Eine Vergnügungstour wird die Teilnahme nicht unbedingt werden. Denn Endemol hat sich für die Kandidaten Gemeinheiten von bisher unbekannter Härte ausgedacht. So müssen die Armen bei miesem Essen auf dem Kölner Studiogelände kampieren, während sich die Reichen sich im Wellness-Bereich mit allem erdenklichen Luxus vergnügen dürfen.

Mit dem zynischen TV-Klassenkampf geht die Fernsehproduktionstochter des spanischen Telekomriesen Telefonica an Geschmacksgrenzen. Die Zeiten des Gemütlichkeitsfernsehens sind mit "Big Brother 5" endgültig vorbei.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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