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Lauter Drohgebärden

Keine Frage: Die meisten Printmedien haben eine schwierige Zeit hinter sich. Wenn sich die Konjunktur dahinschleppt, lässt in den Unternehmen die Bereitschaft nach, Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften zu schalten.

Keine Frage: Die meisten Printmedien haben eine schwierige Zeit hinter sich. Wenn sich die Konjunktur dahinschleppt, lässt in den Unternehmen die Bereitschaft nach, Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften zu schalten. Doch so mancher große Konzern meint inzwischen, seine Muskeln mit besonderer Stärke spielen zu müssen.

Das jüngste Beispiel kommt aus den USA. Bob Lutz, Entwicklungschef des Autoriesen General Motors (GM) und wegen seiner Zeit bei Opel und BMW auch in Deutschland kein Unbekannter, hat sich jenseits des Atlantiks mit den Chefs großer Automagazine angelegt und die aus seiner Sicht zu kritische Berichterstattung beklagt. Ausländische Autohersteller würden viel pfleglicher als GM behandelt.

Und die Drohung kam gleich hinterher: GM müsse doch nicht dort Anzeigen schalten, wo das Unternehmen arg kritisiert wird. "Warum sollten wir die füttern, die uns beißen?", fragte Lutz vor einer Gruppe von Chefredakteuren. Auch in Deutschland gibt es einen vergleichbaren Fall: Die Bahn AG regt sich über das "Manager Magazin" auf, der jüngste kritische Artikel über den Konzern sei zu weit gegangen. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die Zeitschrift hat einen sechsstelligen Anzeigenauftrag der Bahn-Tochter Stinnes verloren. Schade, dass Unternehmen wieder verstärkt zu solchen Mitteln greifen. Die Pressefreiheit scheint kein besonders heiliges Gut zu sein.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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