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Lob für Private Equity

Was haben der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1, der Zeitungsriese Springer, der Bezahlsender Premiere, der Kabelbetreiber KDG und der Fachverlag Springer Business+Science gemeinsam?

Ihre Gesellschafter sind Private-Equity-Firmen. Finanzinvestoren haben den deutschen Medienmarkt längst als lohnendes Investmentziel entdeckt. Ziel ist es, sich bei Firmen mit Wachstumspotenzial einzukaufen, um dann in fünf bis sieben Jahren die Beteiligung an die Börse zu bringen oder die Anteile an andere Investoren mit hohem Gewinn weiterzuverkaufen. Trotz lahmer Börse und eines miserablen konjunkturellen Umfelds erlahmt das Interesse der Privatinvestoren nicht.

Lange Zeit scheuten deutsche Medienfirmen Private Equity wie der Teufel das Weihwasser. Doch die Wand der Ablehnung hat längst tiefe Risse bekommen. Auf den Münchner Medientagen wurden Pro-Sieben-Finanzvorstand Lothar Lanz und Springer-Fachverlagschef Derk Haank nicht müde, das hohe Lied auf die renditeorientierten Investorengesellschaften zu singen. "Ich spüre keine Einflussnahme der Private- Equity-Partner. Sie sind mit uns geduldiger als (die Finanznachrichtenagenturen) Bloomberg oder Reuters", beschwichtigt Lanz die Kritiker, die den Kapitalgebern Kurzatmigkeit statt Nachhaltigkeit vorwerfen.

Die Investmentfirmen - meist mit Sitz in den USA oder Großbritannien - werden die Komplimente gerne hören. Denn ihr Appetit im deutschen Medienmarkt ist noch längst nicht gestillt. Derzeit rücken vor allem die Printverlage in den Mittelpunkt des Interesses, egal ob sie Regionalzeitungen oder die Gelben Seiten publizieren.

Es gibt dabei nur zwei Probleme. Die meist als Familienunternehmen geführten Häuser haben Preisvorstellungen, die aus Sicht der Private Equity-Firmen meist jenseits von Gut und Böse liegen. Außerdem ist eine Bewertung mittelständischer Verlage aufwendig. Doch beide Seiten stehen unter Druck: Die einen brauchen Geld, die anderen müssen Geld ausgeben. Das ist zweifellos eine gute Grundlage für noch so manche Hochzeit in der gebeutelten Medienbranche.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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