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Medien auf Kriegspfad

Alle Jahre wieder entdecken die Medien im Sommerloch Themen und blasen sie auf. Doch in diesem Jahr hatte die Suche nach der sommerlichen Sensation eine neue Qualität.

Alle Jahre wieder entdecken die Medien im Sommerloch Themen und blasen sie auf. Doch in diesem Jahr hatte die Suche nach der sommerlichen Sensation eine neue Qualität. Gleich zweimal hintereinander verhalfen die Journalisten aus eigener Betroffenheit heraus Themen zu Prominenz. Erst ging es um die Rechtschreibreform, gegen die große, einflussreiche Verlage eine beispiellose Medienkampagne inszenierten. Und dann, gleich darauf, das da capo beim Gerichtsurteil zu Caroline von Monaco und dem Persönlichkeitsschutz: Quer durch die Sender und den Blätterwald abenteuerliche Spekulationen über das Ende der Pressefreiheit.

Gewiss, die Rechtschreibreform ist überflüssig, ein Werk regelungswütiger Bürokraten. Und Presse- und Meinungsfreiheit sind überaus kostbar; es gilt, sie mit Wachsamkeit zu verteidigen. Dennoch ist in beiden Fällen ärgerlich, wie hemdsärmelig Journalisten von der Macht der veröffentlichten Meinung Gebrauch machen, wenn ihre Eigeninteressen berührt sind. Statt sich auf ihre Rolle als Wächter zu konzentrieren, machen Journalisten an Parlamenten vorbei in eigener Sache Politik.

Höchste Zeit also, an ein geflügeltes Wort des verstorbenen Tagesthemen-Moderators Hajo Friedrichs zu erinnern: "Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten."

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