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Mit Poesie gegen Spam

"Winter into spring / brightly anticipated / like Habeas SWE?" . Dieser kleine Vers, aufgebaut wie ein "Haiku", eine Jahrhunderte alte japanische Form der Poesie, soll zuverlässig vor Werbe-Müll in der E-Mailbox schützen.

Allerdings ist es nicht die unvergleiche künstlerische Kraft dieses doch eher banalen Werkes, die die Massenversender von ihrem Tun abhalten soll, sondern es ist das Urheberrecht. Denn das Haiku wird im Anti-Spam-System der kalifornischen Habeas Inc. in den sogenannten "Header" - den unsichtbaren Kopf einer E-Mail - kopiert. Dieser Header wird von Software, die auf E-Mailservern installiert ist, ausgewertet. Nur wenn der Mail-Server dieses Meisterwerk des modernen japanisch-amerikanischen Kulturaustauschs identifiziert, gibt er die Mail an den Empfänger weiter.

Der Trick: Nur Privatpersonen und Unternehmen, die sich bestimmten Anti-Spam-Regeln unterwerfen, dürfen diesen Header nach Registrierung verwenden. Werbetreibende müssen zahlen; alle anderen bekommen den Eintrag umsonst. Wer den Vers unerlaubt einkopiert, um sich durch die Filter zu mogeln, wird laut Habeas gnadenlos wegen Verletzung des Urheberrechts verklagt.

Welche Durchschlagskraft das hat - im Gegensatz zu den laschen Möglichkeiten gegen unerwünschte E-Mail-Werbung - weiß spätestens seit der Schließung der Web-Tauschbörse Napster auch eine breite Öffentlichkeit. Da soll noch mal einer sagen, Kunst und Kommerz schließen sich aus.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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