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Nieder mit der Augenhöhe!

Es scheint wieder einmal an der Zeit, die Politik-Sprache von Mode-Torheiten zu entrümpeln, und gleichzeitig neue Unwörter zu verhindern. Ein Wort, das man kaum noch hören oder lesen will, ist: "Augenhöhe".

Alle sind inzwischen auf Augenhöhe, Regierung und Opposition, Schröder und Stoiber, Verbände und Ministerien, Journalisten und Politiker, Zwerge und Riesen und - nicht zu vergessen - das alte Europa und die USA. So inflationiert, bettelt die "Augenhöhe" um sprachliche Entsorgung.

Ähnlich verschlissen ist der "Paradigmenwechsel", ohne den kaum ein gelehrter Leitartikel auskommt. Die banalsten Veränderungen werden heute zum Paradigmenwechsel, wahrscheinlich gehört inzwischen der Wechsel der Straßenseite auch dazu. Der "Paradigmenwechsel" ist eindeutig reif für den Sprach-Müllplatz oder gehört zumindest so sorgfältig weggeschlossen, dass er nur unter Aufsicht hervorgeholt werden kann.

Ein drittes Modewort hat gerade der Bundeskanzler mit Hilfe seiner Redenschreiber erfunden: "vermachtet". Gleich zweimal tauchte es in seiner Regierungserklärung auf und meint wohl, dass die Interessenverbände so viel Macht haben, dass der arme Kanzler kaum noch etwas machen kann. Mal sehen, wie lange es dauert, bis die "Vermachtung" die Macht über die deutschen Feuilletons übernimmt.

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