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Quo vadis Buchmesse?

Um Selbstlob ist die Frankfurter Buchmesse nie verlegen. Alle Jahre wieder: Auch bei der heutigen Eröffnung des weltgrößten Branchentreffs werden salbungsvolle Worte verteilt. Die Feierlichkeiten um das „Kulturgut“ Buch können allerdings immer weniger die tiefe Krise des deutschen Buchmarktes übertünchen.

Um Selbstlob ist die Frankfurter Buchmesse nie verlegen. Alle Jahre wieder: Auch bei der heutigen Eröffnung des weltgrößten Branchentreffs werden salbungsvolle Worte verteilt. Die Feierlichkeiten um das "Kulturgut" Buch können allerdings immer weniger die tiefe Krise des deutschen Buchmarktes übertünchen. Schon im letzten Jahr ging der Buchumsatz trotz Dieter Bohlen und Harry Potter um 2 % auf 9,2 Mrd. Euro zurück. Und dieses Jahr? Die Verlage sehen ängstlich dem Weihnachtsgeschäft entgegen. Ein Ende der Krise ist vorerst nicht in Sicht.

Vor diesem Szenario muss sich auch die Frankfurter Buchmesse neu erfinden. Denn der Treffpunkt mit seiner Kombination aus Lizenzmesse und Werbebühne steckt in der Krise wie die Branche selbst. Die unzähligen Happy Hours, Mini-Foren, Signierstunden, Preisverleihungen, Länderschwerpunkte und Comic-Präsentationen überblicken nicht einmal alte Messehasen. Vor allem die kleineren und mittleren Verlage unter den 6 400 Ausstellern aus 100 Ländern, die über sündhaft teure Hotels und lange Wege stöhnen, stellen sich immer häufiger Frage: Wie wichtig ist die Messe für das Geschäft wirklich noch? Stehen Aufwand und Ertrag noch in vernünftigem Verhältnis?

Die Buchmesse steht an einem Scheideweg: Begreift sie sich vor allem als ein Marktplatz für Rechtegeschäfte oder doch eher als publikumsträchtige Marketingplattform für das Buch. Der jetzige Spagat ist auf Dauer keine Lösung.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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