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Ringier wagt Elite-Magazin

Neugründungen von anspruchsvollen Zeitschriften sind im dritten Jahr der Rezession des Werbemarktes rar gesät. Der Schweizer Verleger Michael Ringier wagt nun (mal wieder) den Sprung nach Deutschland.

HB DÜSSELDORF. Der 54-Jährige, der das eidgenössische Boulevardblatt "Blick" und die "Schweizer Illustrierte" verlegt, finanziert das ehrgeizige Zeitschriftenprojekt des früheren "Welt"-Chefredakteurs Wolfram Weimer. Unter dem Projektnamen "Parzival" wird seit Wochen in einer Potsdamer Villa an der Havel an dem ehrgeizigen Projekt gearbeitet. Vorbild des neuen Autoren- Magazins ist das amerikanische Intellektuellenblatt "The Atlantic Monthly". Eine Nullnummer ist produziert, erste Anzeigenkunden stehen bereit, ein Name ist bereits rechtlich geschützt. Rechtzeitig vor Weihnachten soll es los gehen.

Die Euphorie der Macher ist groß. Denn ein transatlantisch ausgerichtetes Magazin, das sich politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Themen ohne Aktualitätsdruck intellektuell spannend widmet, fehlt bisher. Doch so ein feines Blatt kostet Geld. Zu den finanziellen Details herrscht eisernes Schweigen. Die größte Verlagsgruppe der Schweiz hatte 2002 schließlich eines ihrer schwierigsten Jahre hinter sich gebracht.

Trotz schwieriger Marktverhältnisse wagt Ringier das Experiment. Sein neues Zeitschriftenprojekt ist allerdings nicht der erste Versuch, in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Noch letztes Jahr wollte der Züricher Verleger bei Axel Springer einsteigen. Doch die Pläne, die Ringier mit Springer-Chef Mathias Döpfner ausgeheckt hatte, scheiterten am Ende. Nun probiert es der Schweizer mit einer überschaubaren Investition. Die neue Elite-Zeitschrift unter Weimers Ägide soll ein publizistisches Schmuckstück werden. Wie sagte doch der kunstsinnige Michael Ringier im letzten Jahr: "Bürger, die lesen, werden immer die gescheiteren sein als jene, die nur Fernsehen ,gaffen? und im Internet herumsurfen." Vor allem dann, wenn sie kluge Magazine lesen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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