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Rotzfrech in die Spitze

Piraterie, sagt Antonio "L.A." Reid knapp, ist nicht das Hauptproblem der Musikbranche, sondern die Qualität der Musik selber.

Antonio "L.A." Reid muss es wissen. Der President und CEO des Musiklabels Arista Records (Santana, Whitney Houston, TLC, Dido) ist selbst Produzent und erfolgreicher Talentförderer. Piraterie, sagt er knapp, ist nicht das Hauptproblem der Musikbranche, sondern die Qualität der Musik selber. Erstmals in der Geschichte könne man seit einigen Jahren "Hits produzieren, ohne auch nur eine Melodie zu haben". Der Beat, der Rhythmus, genügt, dabei ist Emotion out. Reid verurteilt das nicht, der Kunde ist König. Er stellt es nur fest und zieht Schlüsse für die Industrie daraus: "Was mich nicht dauerhaft emotional berührt, muss ich auch nicht physisch als Original besitzen?, fasst er die neue Konsumhaltung zusammen. Eine seltene Stimme in einer Branche, die ihre Probleme technisch-juristisch statt mit Emotionen lösen möchte: Mit Strafen und Kopierschutz gegen Umsatzschwund.

Was Reid das Recht gibt, so aufzutreten? Erfolg ist sexy: Gerade hat bei Arista die rotzfreche, 18jährige Rock-Röhre Avril Lavigne in nur sechs Monaten acht Millionen Alben verkauft - aus dem Nichts. Ihre Musik wild und ungezähmt, trifft den Nerv auch der Kids, die sich sonst ihren Rap oder Techno schnell mal aus dem Internet ziehen. Sie wühlt sie auf. Sie identifizieren sich mit ihr, wenn sie auftritt, tobt der Saal. Da will man mehr besitzen als ein ödes MP3-File.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
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