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RTL zahlt viel Lehrgeld

Erst mal die gute Nachricht: RTL hat sich im Juli die Marktführerschaft geholt.

Der Gewinnbringer im Medienimperium von Bertelsmann war in der für die Werbewirtschaft wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen klar die Nummer eins. Der Abstand zu den Verfolgern Pro Sieben und Sat 1 wurde sogar ausgebaut.

Und nun die schlechte, sehr schlechte Nachricht: RTL zahlt fast zehn Mill. Euro Bußgeld an das Land Niedersachsen. Noch nie in der Geschichte des deutschen Privatfernsehen hat ein Sender eine Geldstrafe in dieser Höhe zahlen müssen. Mit der außergerichtlichen Einigung hat das Bertelsmann-Unternehmen einen zehn Jahre alten Streit auf teurem Weg aus der Welt geschafft.

Zwischen Ende 1993 und Mitte 1994 hatte RTL schlichtweg seine Filme zu oft unterbrochen und damit die Medienwächter auf den Plan gerufen. Vor dem bereits verhängten Bußgeld von 20 Mill. Mark hatte 1997 der damalige Ministerpräsident Gerhard Schröder den Sender bewahrt. Der Kanzlerkandidat in spe wollte sich damals nicht mit dem mächtigen TV-Unternehmen anlegen und gab einem "Gnadengesuch" statt. Doch der Zahlungsaufschub half am Ende nicht. Denn eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht glich zuletzt einem juristischer Abenteuerspielplatz.

Jetzt also zahlt RTL für die eigene Arroganz viel Lehrgeld. Das Mitleid mit dem Deutschlands größtem Privatsender hält sich bei den Medienwächtern zumindest in Grenzen. Denn viel zu oft wurde die Landesmedienanstalten in der TV-Branche als zahnlose Tiger belächelt. Diese Einschätzung wird sich mit der gestrigen Entscheidung nun ändern.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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