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Schweigen ist Geld wert

Mit Geld lässt sich vieles regeln. Wenn diese Erkenntnis noch eines Beweises bedurft hätte - die IT-Industrie liefert ihn zur Zeit.

HB FRANKFURT. Im März hatte die EU Microsoft wegen Wettbewerbsmissbrauchs zu einer halben Milliarde Euro Strafe verurteilt. Dagegen klagte der Konzern vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Kommission bat Branchengrößen wie Sun Microsystems, Novell und Real Networks sowie Organisationen wie den Verband CCIA und die Free Software Foundation Europe um Hilfe im Kampf gegen den Monopolisten. Microsoft dagegen winkte mit Bargeld - mit Erfolg. Sun lässt sich das Schweigen im Fall Microsoft mit 1,6 Mrd. Dollar vergolden, Novell mit 536 Mill. Dollar, die CCIA mit 20 Mill. Dollar.

Spontan kommt einem da das Wort "Korruption" in den Sinn. Aber ein korrupter Beamter fügt einer anonymen Masse Schaden zu; die Unternehmen schaden vor allem sich selbst. Denn um ihre Wettbewerbschancen zu verbessern, versucht die EU-Kommission, das weitere Wuchern eines Monopol zu verhindern. Mit ihrem Rückzug erteilen die Firmen nun Microsoft einen Persilschein für den Ausbau seiner Macht - auf Fernseher, Videorekorder, Multimedia-Handys, Autoelektronik. Hilfe von der EU können die Unternehmen dann wohl nicht erwarten - die wird sich nach ihren Erfahrungen künftige Klagen gegen den dominanten Giganten dreimal überlegen.

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