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Talkshowfähige Iraker gesucht

So wichtig der Krieg und die Berichterstattung darüber sind, kein Mensch hält es aus, ihn den ganzen Tag am Fernsehschirm zwangsverfolgen zu müssen.

Denn es gibt kaum ein Entrinnen: In bis zu sechs Sendern laufen dieselben nichts sagenden Bilder gleichzeitig - von einem grünen Blitz am Himmel bis zu einem einsam durch die Wüste fahrenden Panzer und immer wieder dieselbe Cruise Missile, die von einem Flugzeugträger abgefeuert wird.

Dutzende von Unterhaltungssendungen fallen dafür aus, von denen sich viele sicher gerne vom Krieg ablenken hätten lassen. Und dazu die ganzen Experten: Alles wird hundertmal gedreht, gewendet, interpretiert. Dubiose Figuren, die offenbar keiner vorher durchgecheckt hat, sind live auf Sendung und vertreten die wildesten Verschwörungstheorien. Andere sind im Fernsehen, obwohl sie nicht einmal das durchschnittliche Wissen eines Zeitungslesers haben. Und wofür, um Gottes Willen, ist eigentlich Alice Schwarzer zuständig? Das alles über einen Krieg, der zumindest an den ersten beiden Tagen einschließlich der politischen Reaktionen nur Nachrichten für eine komprimierte Stunde geliefert hat.

Ein Glück, dass wenigstens Harald Schmidt auf Sendung bleibt: Er beklagt den Mangel an Talkshow-fähigen Irakern. Das ist die wirkliche Herausforderung für deutsche Casting-Agenturen. Dafür lässt er seinen Redaktionsleiter Manuel Andrack mit dem verhaltenen Tremolo des Kriegsreporters aus dem "Krisengebiet Köln-Mülheim" berichten: "Die Lage ist ruhig."

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