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Twardys Kraftakt

Achim Twardy hat eine schwere Schlappe einstecken müssen. Nach wochenlangen Bemühungen ist der beim Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner+Jahr für die Wirtschaftspresse zuständige Vorstand mit dem Plan gescheitert, die Magazine "Capital", "Impulse" und "Börse Online" von Köln und München an den Verlagshauptsitz nach Hamburg zu holen.

Damit sind auch seine Träume geplatzt, die Kosten durch einen Umzug der rund 130 Mitarbeiter zählenden Redaktionen schnell in den Griff zu bekommen. Der Manager hatte darauf gesetzt, dass viele Redakteure den Umzug nicht mitmachen und dies einen Stellenabbau von rund 40 Mitarbeitern erleichtert.

Doch Twardys übereilter Aktionismus war zu kurz gedacht. Vor allem durch den Umzug des langjährigen Redaktionssitzes von "Capital" aus Köln hätte der G+J-Vorstand mehr Schaden angerichtet. Viele Journalisten hätten ihre Kontakte zu Informanten verloren, private Beziehungen wären in die Brüche gegangen. Die Folge: Die Qualität der Magazine hätte deutlich gelitten, die Auflage wäre ins Trudeln geraten.

Doch Twardy hat noch einen größeren Fehler begangen. Er hat bei seinen Umzugsplänen den G+J-Partner Pearson falsch geschätzt. Denn die Briten lehnten offenbar eine Kooperation ihrer Wirtschafts-Tageszeitung "Financial Times Deutschland" mit Capital & Co strikt ab. Sie befürchteten, dass hierdurch die Marke "FTD" verwässert wird, wenn ihre Journalisten Capital & Co. mit Nachrichten aus der Belle Etage der Wirtschaft versorgen.

Ob Twardy es jetzt schafft, die in 2003 defizitären Blätter - wie gestern angekündigt - im laufenden Jahr in die Gewinnzone zu steuern, wird sich zeigen. Zwar gibt es erste Sonnenstreifen am Werbehimmel - doch es bleibt ein Kraftakt. Sollte der Medienmanager diesem nicht gewachsen sein, dürften seine Tage bei der Hamburger Tochter des Gütersloher Medienriesens Bertelsmann gezählt sein.

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