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Von Pisa zur Party

Was haben deutsche Schulen und Videospiele gemeinsam? Sie machen dumm. Bei Videospielen ist die Behauptung ein schönes Vorurteil, das im Land der Dichter und Denker mit Leidenschaft gepflegt wird.

Im Falle der Schulen ist es durch die Pisa-Studie mittlerweile schon fast belegt. Wie das Problem Schule zu lösen ist, darüber streiten Politiker, Lehrer und Verwaltungsexperten noch. Das kann dauern. So viel Zeit haben Sony & Co. nicht. Sie müssen ihr Imageproblem rasch lösen: Microsoft schreibt hohe Verluste mit Videospielekonsolen, Nintendo und Sony hohe Gewinne - Tendenz allerdings fallend. Da käme eine Marktbelebung hier gelegen. Erreichte er britisches Niveau - dort steht in 16 % aller Haushalte eine Videospielkonsole - wären das 500 Mill. $ Umsatz mehr, rechnet Softwareriese Electronic Arts vor.

Die Generation der heute über 40jährigen gilt aber schon als verloren. Die Zielgruppe sind jetzt die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Eltern von morgen. In Düsseldorf, Hamburg, Berlin und München hat Microsoft so genannte X-Box-Lounges eröffnet. Breitband verkabelte Chill-Out-Discos mit Großbildleinwand zum Feiern und Spielen für die Generation Gameboy. Motto: Raus aus der sozialen Schmuddelecke. Sony sponsort eine Ausstellung über Videospiele als Kulturgut im Europäischen Zentrum für Kunst und Industriekultur Völklinger Hütte.

Hoffentlich werden beide Probleme schnell gelöst. Pisa und Akzeptanz von digitaler Unterhaltung als Mittel zum Erwerb notwendiger digitaler Kompetenz. Vielleicht sollten Bildungspolitiker und Videospieler endlich zusammen statt gegeneinander arbeiten. Spielend lernen - was mit Lego gut war, kann heute mit dem Computer nicht so falsch sein.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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