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Zappen erwünscht

Ist das nicht gemein? Jetzt stürmt die Werbeindustrie auch noch die letzte Bastion des Fernsehzuschauers und schlägt ihn mit seinen eigenen Waffen.

Früher konnte man mit der Fernbedienung in der Hand - dem Zauberstab des Digitalzeitalters - nach Belieben Werber oder Late-Night-Talker abstrafen und letztere im Quoten-Orkus versenken. Jetzt wird das Zappen als Strategie in TV-Spots integriert. Wir sind verloren!

Heute, morgen und übermorgen laufen parallel in Sat 1 und Pro Sieben Werbespots für einen neues Modell des Autoherstellers Renault - verpackt als 120 Sekunden Kurzfilmdrama. Wer zwischen den Sendern hin und her zappt, bastelt sich quasi seinen eigenen Werbe-Film: Die Versionen sind nicht identisch, sondern haben unterschiedliche Handlungsstränge, die aber zusammenpassen. Zappen ist also im Sinne des Werbekunden erwünscht.

Und als ob das der Hamburger Werbeagentur Nordpol+ nicht genug ist, lässt sie den Spot um 20.12 Uhr auch noch gegen die Tagesschau antreten. Das nennt man mutig. Da fällt fast gar nicht mehr ins Gewicht, das der Spot auch noch unvollständig ist. Die letzten Sekunden, die die kleine Story auflösen, gibt es nämlich nur im Internet auf der Homepage des Fahrzeugs zu sehen. Schließlich informieren sich die meisten Autokäufer heute im Web, bevor sie zum Händler gehen.

Interaktives Fernsehen und Konvergenz einmal anders. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, was die Autokäufer sagen werden. Denn wie immer in der Werbung zählt letztlich nicht die Originaliät, sondern nur der Erfolg. Jedenfalls für den Kunden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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