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ZDF entdeckt das Telefon

Nicht nur die Privatsender wie Neun Live oder RTL schaffen es, in die Brieftasche ihrer Zuschauer zu greifen, sondern auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Was haben Rudolf Augstein, Franz Burda und Reinhard Mohn gemeinsam? Sie besitzen die Chance zum "größten Deutschen" gewählt zu werden. Ab morgen ruft das ZDF das ganze Land auf, per Telefon, Internet, SMS oder Postkarte aus der Liste mit 300 Namen auszuwählen. Europas größter Sender will dann im Herbst mit fünf Doku-Shows - moderiert vom TV-Gutmenschen Johannes B. Kerner - ein Millionenpublikum zum Abstimmen animieren.

So ganz uneigennützig ist die Mitmach- Show allerdings nicht. Denn jeder Anruf bringt 0,49 Euro in die leeren Kassen der Mainzelmännchen. Das wirtschaftliche denkende ZDF beweist: Nicht nur die Privatsender wie Neun Live oder RTL schaffen es, in die Brieftasche ihrer Zuschauer zu greifen, sondern auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Angesichts eines ungewissen Ausgangs des Kampfes für eine zehnprozentige Erhöhung der Rundfunkgebühr ist schließlich jeder halbe Euro Gold wert.

Die BBC hat es voriges Jahr vorgemacht. Mit ihrer Frage nach den "Great Britons" versetzte der Sender die Insel in Aufregung und löste damit eine Welle von Anrufen aus. Bis zu 3,6 Millionen Zuschauer verfolgten die Votingshow. Gewonnen hat am Ende - wenig überraschend - Kriegspremier Winston Churchill. Doch das Ergebnis ist bei dieser Art von Programm sowieso zweitrangig, so lange am Ende Quote und Kasse stimmen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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