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Navratilova kann Zeit nicht zurückdrehen

Paris (dpa) - Tennis-Legende Martina Navratilova hat Rekorde und Tabus gebrochen, doch eines kann auch sie nicht: Die Zeit zurückdrehen.

Paris (dpa) - Tennis-Legende Martina Navratilova hat Rekorde und Tabus gebrochen, doch eines kann auch sie nicht: Die Zeit zurückdrehen.

Die 47 Jahre alte Amerikanerin verlor ihr Einzel-Comeback bei den French Open gegen die 28 Jahre jüngere Gisela Dulko aus Argentinien glatt 1:6, 3:6 in nur 62 Minuten - 20 Jahre nach ihrem zweiten French-Open-Sieg und zehn Jahre nach ihrem letzten Einzel-Match in Paris.

Der Entschluss der super-fitten Tennis-«Oma», sich noch einmal in dieses Abenteuer bei einem Grand-Slam-Turnier zu stürzen, fand mehr Bewunderer als Kritiker. «Hut ab. Es ist erstaunlich, auf welch hohem Niveau Martina in ihrem Alter noch spielt», sagte Steffi Graf, die mit Navratilova auf dem Tennisplatz manchen Strauß ausgefochten hat. Dass sich eine knapp 50-Jährige noch mit Spielerinnen messen kann, die ihre Töchter sein könnten, mag einerseits am außergewöhnlichen Können der Navratilova liegen, andererseits aber am Niveau im Damen-Tennis. Steffi Graf will sich da nicht festlegen. «Wahrscheinlich ist es beides ein bisschen.»

Der Weltranglisten-Erste Roger Federer ist jedenfalls derart fasziniert von der «Grande Dame» des Tennissports, dass er sogar den Rat der gebürtigen Pragerin einholte: «In Hongkong habe ich mit ihr trainiert. Sie hat mir einen Tipp gegeben, der funktioniert, aber der ist streng geheim», erzählte der Schweizer schmunzelnd.

Dass Navratilova eine Wildcard für das Hauptfeld bekam und damit talentierten Nachwuchsspielerinnen einen Platz weggenommen hat, sorgte in Paris auch für Unmut. Doch Navratilova ließ das kalt: «Wenn ich nicht überzeugt gewesen wäre, dass ich einen Platz in diesem Turnier verdient hatte, hätte ich nicht darum gebeten.»

In ihrer beispiellosen Karriere hat Navratilova 58 Grand-Slam-Turniere gewonnen - 18 im Einzel, 31 im Doppel, 9 im Mixed. Insgesamt errang sie 167 Einzel- und 174 Doppel-Titel. 1994 war die engagierte Bush-Kritikerin und Kämpferin für die Rechte Homosexueller schon einmal zurückgetreten, 2000 feierte sie ihr Comeback im Doppel. Ein letzter Einzel-Start bei ihrem Lieblingsturnier in Wimbledon und ein Doppel-Auftritt mit Lisa Raymond bei Olympia in Athen reizt sie noch, dann soll Schluss sein, Ende des Jahres. «Nicht, weil ich das nicht noch ein paar Jahre machen könnte», meinte Navratilova. «Aber es ist genug jetzt.»

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