Nebeneinkünfte
Blackout im Bundestag

"Ist das schon veröffentlicht?", "hab ich noch nicht gesehen": Merkwürdig mager fiel die erste Reaktion der Abgeordneten auf die Veröffentlichung ihrer Nebentätigkeiten aus. Die Ahnungslosigkeit war keineswegs gespielt, sie konnten es zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht wissen.

BERLIN. Gegen halb zwölf war Feuer unterm Dach des Bundestags. Früher als erwartet meldete sich der Präsident des Hohen Hauses, Norbert Lammert (CDU), mit einer unscheinbaren Pressemeldung zu Wort: "Bundestag veröffentlicht Nebentätigkeiten der Abgeordneten", stand dort, und dass Neugierige die Informationen, auf die manch einer seit dem Sommer 2005 wartete, "heute ab 11.30 Uhr" auf der Internetseite des Parlaments abrufen könnten.

Doch während sich in den Redaktionen rund um das Regierungsviertel ganze Scharen von Journalisten auf die Online-Recherche nach tatsächlichen oder vermeintlichen Skandalen begaben, fiel die Reaktion in den Abgeordnetenbüros zunächst merkwürdig mager aus. "Ach, ist das schon veröffentlicht?" fragte ein SPD-Abgeordneter überrascht. "Tut mir leid. Hab ich noch nicht gesehen", kommentierte ein CDU-Kollege kritische Nachfragen.

Konnte er auch nicht. Im Rechenzentrum des Bundestags war zu der Zeit nämlich ein Brand ausgebrochen. Ein durchgeschmortes Kabel löste die Sprinkleranlage aus. Wegen der hohen Feuchtigkeit musste daraufhin der zentrale Rechner des Parlaments ausgeschaltet werden. Die Konsequenz: Von Mittag an konnten die 613 Abgeordneten und ihre Mitarbeiter weder Mails senden, noch hatten sie Zugriff auf das Internet.

Während die Journalisten schon kräftig feixten, wahrscheinlich sei das System wegen der vielen Zugriffe abgestürzt oder gar dem Sabotageakt eines verärgerten Nebenerwerbs-Politikers zum Opfer gefallen, bemühte sich die Bundestagsverwaltung um Schadenbegrenzung. "So schnell wie möglich" wolle man den Rechner wieder in Betrieb nehmen, beteuerte ein Mitarbeiter. Bis zum Abend war der Schaden jedoch nicht behoben.

Derweil liefen in der Bundestagspressestelle wegen der Nebeneinkünfte die Telefone heiß. Doch Anfragen konnten kaum beantwortet werden. Am besten solle man ins Internet schauen, hieß es. Der externe Server war von dem Blackout nämlich nicht betroffen. Sichtbar ächzte er mit langen Response-Zeiten unter den zahlreichen Zugriffen. Wie viele Clicks man am gestrigen Donnerstag verzeichnete, konnte eine Bundestags-Angestellte aber nicht sagen: "Tut mir leid. Mein Rechner geht nicht."

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