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Nebenwerte sind Lichtblicke am Börsenhimmel

Wer sich für deutsche Nebenwerte interessiert, steht vor einer schwierigen Entscheidung: Macht es Sinn, 2002 weiter auf Dividendenstars wie Kali + Salz (K+S) aus dem MDax zu setzen, oder ist jetzt eine Investition in wachstumsstarke Technologiewerte wie Aixtron vom Neuen Markt angebracht?

Im vergangenen Jahr verloren die mittelgroßen Unternehmen im MDax lediglich zehn Prozent an Wert, der Dax gab hingegen 20 Prozent und der Nemax sogar 53 Prozent ab. "Für viele Investoren war der MDax ein Hort der Stabilität", sagt Adig-Fondsmanager Kerstan von Schlotheim. Kein Wunder: Unternehmen wie der Heizungsbauer Buderus bieten verlässliche Prognosen, ein solides Geschäftsmodell, und sie machen ordentliche Gewinne - genau das, was am Neuen Markt eher selten zu finden ist. Natürlich haben nicht alle der 70 Unternehmen im MDax diese Kriterien erfüllt. Mit der richtigen Auswahl konnten Investoren jedoch ihr Depot heil durch das Horrorjahr 2001 bringen.

Die Liebe zu den soliden, doch meistens wenig aufregenden MDax-Werten könnte aber schnell ein Ende haben: "Der Neue Markt lebt", jubeln bereits die einschlägigen Anlegermagazine. Zahlreiche Skandale und die im Ansatz stecken gebliebenen Reformen des Regelwerks konnten die Investoren offenbar nicht dauerhaft abschrecken: Seit seinem Allzeittief von 645 Punkten im September befindet sich der Nemax in einer Erholungsphase und hat sich ungefähr verdoppelt. Springt die Wirtschaft wirklich an, werden davon die besonders konjunktursensiblen Technologiewerte weiter profitieren.

Nicht alles auf die Nemax-Karte setzen

Doch Vorsicht: Jetzt alles auf die Nemax-Karte zu setzen könnte grundverkehrt sein. "Wenn die Frühindikatoren nicht spätestens im März einen deutlichen Silberstreif am Horizont signalisieren, kann die Stimmung kippen", sagt Fondsmanager Sascha Hirsch vom Deutschen Investment Trust (DIT). Er rechnet außerdem damit, dass bei den nächsten Quartalsberichten noch böse Überraschungen auf Nemax-Fans warten. Hintergrund: Viele Wirtschaftsprüfer sind in die Kritik geraten, weil sie die Abschlüsse der Unternehmen zu unkritisch durchgewinkt haben sollen. "Jetzt werden viele Prüfer durchgreifen und darauf drängen, dass zum Beispiel Goodwill-Abschreibungen konsequent vorgenommen werden. Bei einigen Gesellschaften wird dann klar werden, wie ernst die Lage wirklich ist." Goodwill-Abschreibungen werden fällig, wenn ein Unternehmen ein anderes übernimmt, dessen Sachwert geringer ist als der Kaufpreis. Es besteht die Gefahr, dass sich viele Unternehmen am Neuen Markt durch den überteuerten Aufkauf von anderen Gesellschaften übernommen haben, was die Bilanzen in schlimme Schieflagen bringen kann.

Hirsch setzt nur auf solche Werte, bei denen die Bilanzgefahren gering sind. Dazu zählt er beispielsweise den Handelsspezialisten Medion, den Spezialmaschinenbauer Pfeiffer Vacuum und das Softwareunternehmen IDS Scheer.

Adig-Fondsmanager von Schlotheim erwartet, dass in erster Linie solche Unternehmen schlechte Quartalszahlen vorlegen, die ohnehin angeschlagen sind. "Wer die Gewitter bisher ohne Schaden überstanden und keine Skandale produziert hat, wird kaum böse überraschen." Trotz der bereits erzielten Kurszuwächse sieht er bei solchen Werten durchaus noch Luft nach oben. Von vielen Experten werden in diesem Zusammenhang die Spezialmaschinenbauer Aixtron und Singulus genannt.

Schlotheim (Adiselekt) und Hirsch (DIT Spezial) setzen in ihren Fonds jedoch auch auf Werte aus dem MDax. "Als defensive Beimischung bringen sie Stabilität ins Depot", sagt Hirsch. Positiv sei, dass mittlerweile auch internationale Investoren auf das Marktsegment aufmerksam geworden sind. Auch bei den Unternehmen habe sich eine neue Denkweise durchgesetzt. "Dass eine Gesellschaft wie Krones mal auf Roadshow gehen würde, um sich Investoren zu präsentieren, wäre vor ein paar Jahren nur schwer vorstellbar gewesen."

Die Investmentbank HSBC Trinkaus & Burkhardt erwartet, dass der MDax im nächsten Jahr den Dax um fünf bis zehn Prozent übertreffen wird. Der Neue Markt biete zwar mehr Potenzial, hier sei das Risiko jedoch auch höher. Bei den deutschen Titeln im Dax rechnet HSBC-Stratege Volker Borghoff lediglich mit einer Seitwärtsbewegung. Zu den bevorzugten Werten im MDax zählen der Maschinenbauer Babcock-Borsig, der Logistiker Stinnes und der Chemiehersteller Celanese.

Als solider Depotbestandteil gilt auch weiterhin die K+S-Aktie. Der Kasseler Spezialist für kali- und magnesiumhaltige Produkte wird besonders wegen seiner hohen Dividendenrendite geschätzt, die 2002 ungefähr bei vier Prozent liegen dürfte. "Die Aktie bringt Stabilität ins Depot", urteilt Fondsmanager Hirsch.

Fazit: Als absicherndes Element sollten Anleger weiter in wertorientierte Titel aus dem MDax investieren. Solide Technologieaktien aus dem Neuen Markt sorgen für die Wachstumskomponente im Portfolio.

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