Nebenwerte und Schwellenländer als Überlebensnischen für kleinere Fondsanbieter
Fondskommentar: Weniger wäre mehr

Der Einzelhandel hat es vorgemacht: So wie die Tante-Emma-Läden in den Achtzigerjahren fast völlig verschwanden, so wird sich auch die Zahl der kleineren und mittleren Fondsgesellschaften in den kommenden Jahren deutlich reduzieren.
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DÜSSELDORF. Jüngster Fall ist die Übernahme der Zürich Invest durch die Deutsche Asset Management Europe, einem Unternehmen der Deutschen Bank. Die Fondstochter DWS kann damit ihren Marktanteil in Deutschland um einen Prozentpunkt auf 24,6 Prozent erhöhen. Ob mit dem Deal auch die Marke Zürich Invest verschwindet, sei noch nicht abzusehen, heißt es auf Nachfrage.

Während die kleinen Marktteilnehmer verschwinden, verschaffen sich die großen weitere Marktanteile durch die Hintertür. So wie viele Markenhersteller aus der Konsumgüterindustrie drücken auch die Fondsgesellschaften über Dritte No-Name-Produkte aus dem eigenen Haus in den Markt. So verkauft die Bayerische Beamtenversicherung (BBV) drei neue Fonds, die eigentlich von der Activest stammen.

Für die kleinen und mittleren Fondsanbietern bleiben letztlich nur zwei Überlebenstrategien: Entweder sie schließen Partnerschaften mit großen Anbietern oder sie ziehen sich in spezielle Nischen wie Nebenwerte oder Schwellenländer zurück. Bei den großen Standard-Aktienfonds stehen sie jedenfalls auf verlorenem Posten.

Für den Fondsanleger sind dies keine schlechten Nachrichten. Allein durch den Markteintritt der großen US-Fondsgesellschaften bleibt genügend Wettbewerb unter den Anbietern. Ein Bill Gates der Fondsindustrie ist nicht in Sicht.

Der Trend zur Arbeitsteilung hat für die Kunden eher Vorteile. Keine Fondsgesellschaft kann schließlich in allen Bereichen gleich gut sein. Insbesondere in den Segmenten Branchen- und Schwellenländerfonds werden die erfolgreichsten Produkte meist von kleinen Anbietern oder Dienstleistern gemanagt, die sich auf eine Nische konzentrieren.

Letztlich stellt sich die Frage, ob Anleger wirklich eine Auswahl unter mehr als 5000 Fonds brauchen, wenn doch etwa 80 Prozent der aktiv gemanagten Fonds unter den Ergebnissen ihres Vergleichsindex bleiben. Mehr Klasse statt Masse wäre das Gebot der Stunde. Mit einer solchen Produktpolitik wäre die Fondsindustrie den Supermärkten im Lebensmittelhandel einen Schritt voraus.

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