NEC, Panasonic und Toshiba gelten bei Analysten als potenzielle Gesprächspartner
Japaner mögliche Partner für Siemens-Handysparte

Nachdem Siemens-Vorstand Volker Jung seit langem kursierende Gerüchte bestätigt hat, dass der Konzern auf der Suche nach einem Partner für sein Handy-Geschäft ist, kochen die Spekulationen über mögliche Kandidaten hoch.

Reuters MÜNCHEN. Die Größe des Marktanteils, das Technologie-Know-How und die regionale Präsenz spielen nach Ansicht der Branchenexperten für Siemens eine zentrale Rolle. Jung hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, Siemens sei mit mehreren Herstellern in Gesprächen über eine Kooperation. Namen nannte Jung nicht, deutete aber Gespräche mit japanischen Konzern an. Deshalb gelten NEC, Panasonic und Toshiba bei Analysten als wahrscheinliche Gesprächspartner.

Gespräche mit Motorola geführt

"Dass eine Kooperation im Handybereich bei Siemens auf der Tagesordnung steht, ist keine Überraschung, sagte Roland Pitz, Analyst bei der Hypovereinsbank. Über Verhandlungen des Münchener Konzerns mit anderen Handy-Herstellern, um sich in dem schwachen Marktumfeld zusammenzutun, war bereits in der Vergangenheit spekuliert worden. Medienberichten zufolge hatte Siemens mit dem US-Konzern Motorola Gespräche geführt, diese aber abgebrochen. Trotz der Hinweise Jungs sollte man auch diesen möglichen Partner nicht aus den Augen verlieren, hieß es in Branchenkreisen. Motorola biete die besten Chancen, in den USA Fuß zu fassen. Asien habe für Siemens aber wohl Priorität, weil dort mit GSM derselbe Mobilfunkstandard gelte wie in Europa. In den USA setze sich GSM nur langsam durch.

Siemens hat Marktanteile bei Handys verloren

Die Siemens-Mobilfunksparte war in den vergangenen Quartalen in die Verlustzone gerutscht, 4 600 Stellen sollen nun abgebaut werden. Im dritten Quartal fielen die Münchener zudem mit einem Marktanteil von 7,2 % auf Platz fünf der weltweit größten Handy-Konzerne zurück. Siemens hatte aber immer wieder das Ziel formuliert, in die Gruppe der führenden drei Handy-Anbieter aufsteigen zu wollen. Auch der im Siemens-Vorstand für die Kommunikationssparten zuständige Jung hatte in dem Interview betont: "Es braucht ein bestimmtes Volumen, um eine gewisse Profitabilität zu erreichen. Ohne Partner ist das auf Dauer nur für (den finnischen Weltmarktführer) Nokia möglich."

Toshiba ist zu klein

Nach diesen Gesichtspunkten ist der japanische Konzern Toshiba mit einem Marktanteil von unter 1 % eigentlich ungeeignet. "Toshiba ist witzlos, das ist zu klein", sagte Frank Rothauge von Sal Oppenheim. Andererseits kooperiert Siemens bereits mit Toshiba bei der Entwicklung von Handys für die dritte Mobilfunk-Generation. "Toshiba bringt zwar keine Marktanteile, aber auf der Technologieseite Vorteile für Siemens", sagte Bernd Laux von Credit Agricole. "Sie sind führend in der Displaytechnologie. Vom Know-How her würde Toshiba Siemens gerade bei UMTS schon weiter bringen."

Wahrscheinlichere Kooperationspartner sind nach der Ansicht der Experten aber Konzerne, die einen größeren Marktanteil mitbringen - zum Beispiel Panasonic, die Konsumelektronik-Marke des japanischen Konzerns Matsushita, oder NEC, die kürzlich zum Marktführer in Japan aufgestiegen sind. Mit beiden Konzernen hätte Siemens eine Chance, die Nummer Drei auf dem Weltmarkt - der schwedische Ericsson-Konzern, der sich mit Sony zusammen getan hat - zu überholen.

Mit NEC kooperiert Siemens bei der Entwicklung mobiler Infrastruktur

Mit NEC, mit einem Marktanteil von 3,9 % die Nummer Sieben der weltgrößten Handy-Hersteller, kooperiert Siemens bereits bei der Entwicklung mobiler Infrastruktur. Gemeinsam sind sie an einem Pilotprojekt für den neuen Standard UMTS auf der Insel Isle of Man beteiligt. "NEC hat außerdem von alleine kaum eine Chance, auf dem außerasiatischen Markt Fuß zu fassen und könnte deshalb auch ein Interesse an einer Kooperation haben", sagte Laux. Für die japanische Telefongesellschaft NTT Docomo liefert NEC auch die UMTS-Handys.

"Panasonic wäre meiner Ansicht nach noch besser, weil der Markenname gerade auch in den USA bekannt ist, wo Siemens eher eine schwache Präsenz hat", erläuterte Rothauge. "Dann könnte man sich die Markennamen aufteilen - Siemens in Europa und Panasonic in Japan und den USA." Panasonic ist der sechstgrößte Handyhersteller mit einem Marktanteil von 5,1 %.

Wie eine Kooperation mit einem anderen Handy-Hersteller aussehen könnte, dazu hat sich Siemens-Vorstand Jung nicht geäußert. Eine Bewertung der Pläne wollten Analysten deshalb nicht vornehmen. "Es ist schwierig, etwas dazu zu sagen, wenn nicht einmal klar ist, wie so etwas aussehen könnte", sagt HVB-Analyst Pitz. Geht es um eine lose Kooperation oder die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, und wer würde dann die Mehrheit halten? Oder will Siemens die Sparte ganz ausgliedern - das sind die Fragen, die Analysten nun stellen. "Es ist positiv, dass sie diese Möglichkeit ausloten - aber es hängt von dem Deal ab, den sie machen", sagte Reilly.

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