Negativbeispiel Gelsenkirchen
Galopper und Traber am Scheideweg

Deutschlands Galopp- und Trabrennsport steht am Scheideweg. Das Negativ-Beispiel des insolventen Trabrennvereins Gelsenkirchen ist nur eine von zahlreichen Hiobsbotschaften. Der bisher umsatzstärkste Veranstalter hat Verbindlichkeiten von rund 8,2 Mill. Euro.

dpa KÖLN. Der Aufsehen erregende Ausfall von Renntagen, der Boykott durch Trainer, Besitzer und Züchter wegen ausgebliebener Zahlungen und der Insolvenzantrag sind nicht nur für die Traber signifikant. Vor dem Saisonauftakt vor 10 Tagen gerieten in Gelsenkirchen auch die Galopper ins Visier der Gläubiger. Ein Bankinstitut drohte einen Insolvenzantrag an. Rund 480 000 Euro Verbindlichkeiten drücken den Veranstalter am Horster Schloss.

Düsseldorf und Hannover waren Ende der vorigen Saison in ähnlich bedrohliche Lage geraten. Nur knapp und dank Unterstützung der Stadt konnte ein Insolvenzantrag des Düsseldorfer Rennvereins vermieden werden. In Hannover wurde das Programm 2002 auf wenige Renntage zusammengestrichen. Ein Top-Rennen ist gar nach Köln verkauft worden.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele. Der Kölner Rennverein, Dauer- Veranstalter Nummer 1 im deutschen Galopprennsport, konnte an zwei Renntagen hintereinander beachtliche Wettumsatzergebnisse vorweisen. Und in Hoppegarten bei Berlin soll ein Großsponsor (Deutsche Post AG) einsteigen. Peter Boenisch, Ex-Regierungssprecher, hat sich mit seinem Berliner Team vorgenommen, Hoppegarten nicht nur zu retten, sondern zumindest annähernd wieder an alte Zeiten heranzuführen.

Dennoch bleibt die wichtigste Finanzierungsquelle der Veranstalter, der Wettumsatz, eine unwägbare Größe. Die Traber verzeichneten in Deutschland im Vorjahr einen Umsatz von 286 Mill. DM. 2000 waren es noch 312 Mill. DM. Die Galopper landeten bei 215 Mill. DM nach 244 Mill. ein Jahr zuvor. Dauerkämpfe mit den Finanzbehörden über eine adäquate Rückerstattung der Rennwett- und Lotterie-Steuer an die Veranstalter, die Konkurrenz der Oddset-Wette und auch neue Formen von Wettangeboten über Internet oder neuerdings sogar SMS machen dem Sport das Leben schwer.

Frank Joyeux, Manager auf Deutschlands Vorzeige-Galopprennbahn Iffezheim bei Baden-Baden, die allerdings auch mit einem Schuldenberg von 6 Mill. Euro belastet ist, macht nicht die Wettfreunde als Ursache der Misere aus. "Ich bin der festen Überzeugung, dass nicht weniger gewettet wird. Das Geld fließt nur in andere Kanäle. Und zwar in Kanäle, die dem Sport selbst nicht zu Gute kommen", sagte Joyeux.

Der Manager nannte als eine Ursache auch die staatliche Duldung, dass deutsche Buchmacher am Fiskus vorbei Wetten ins Ausland vermitteln können. Ihnen erscheint die Wettvermittlungs-Provision, die die deutschen Veranstalter zahlen, zu gering. "Wer auf Pferde wettet, hilft damit noch lange nicht in jedem Fall, die Existenz dieser Sportart zu sichern."

Sportlich ist die Qualität des deutschen Galopprennsports über jeden Zweifel erhaben. Deutschlands Rennpferde waren 2001 im Ausland erfolgreich wie nie: Sie gewannen dort 6,5 Mill. Euro. Dennoch: In Baden-Baden gibt es immer noch keinen Sponsor für den Großen Preis am 1. September, das einzige deutsche Rennen der Welt-Serie.

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