Negative Analystenerwartungen
Konjunkturaussichten belasten Euro

Der Euro hat im europäischen Handel am Dienstag wegen negativer Analystenerwartungen für die konjunkturelle Entwicklung der Euro-Zone zum Dollar weiter an Wert verloren. Händler sprachen von einer zunehmenden Angleichung der Konjunkturerwartungen für die USA und Europa, weshalb es keinen Vorteil für Anleger gebe, Dollar zu Gunsten von Euro zu verkaufen.

Reuters FRANKFURT. Da EZB-Präsident Wim Duisenberg zudem Erwartungen einer bevorstehenden Intervention gedämpft habe, könnte der Euro in den kommenden Tagen neue historische Tiefststände markieren, sagten Experten. Zum Yen fiel der Euro deutlich unter sein Tageshoch am Morgen, was Händler mit technischen Faktoren begründeten.

Ein Euro kostete gegen 11.30 Uhr MESZ 0,8557/59 $ nach 0,8588/93 $ in Tokio und 0,8598/03 $ im späten nordamerikanischen Handel. Die US-Valuta notierte mit 120,48/50 Yen nach 121,07/15 Yen in Nordamerika. Der Euro fiel auf 102,91/96 Yen, nachdem er zuvor Händlern zufolge an der Widerstandsmarke von 104,50 Yen scheiterte und in Tokio mit 104,40 Yen sein Tageshoch markierte.

"Der Euro scheint keinen Vorteil vor dem Dollar zu haben, zumal die Unterschiede in den Wachstumserwartungen (für die Euro-Zone und die USA) sich zunehmend annähern", sagte Tetsuya Takahashi von der Bank of America. Teilweise werde sogar schon eine negativere Entwicklung in Europa vorhergesagt. "Es scheint Ansätze einer Stagflation in Europa zu geben, bei der die Wirtschaft nach unten geht, während die Preise steigen", sagte Seiya Nakajima von der Itochu Corp. Eine Hoffnung für den Euro besteht nach Händlereinschätzung in möglichen Interventionen wichtiger Zentralbanken am Devisenmarkt. Erwartungen in diese Richtung habe aber der Präsident der Europäischen Zentralbank, Duisenberg, geschmälert.

Keine Intervention der Zentralbank erwartet

Nach der Rede Duisenbergs am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel stuften Händler die Wahrscheinlichkeit eines Eingreifens einer Zentralbank am Devisenmarkt als gering ein. Die EZB habe bei ihrer Geldpolitik kein Wechselkursziel, beobachte aber den Einfluss der Kursentwicklung auf die Inflation, hatte Duisenberg gesagt. Ulrich Wortberg von der DG Bank sieht hingegen in den Worten Duisenbergs keine generelle Absage an Interventionen. "Komischerweise hat der Markt das so aufgefasst. Duisenberg hat aber nie so gesprochen", sagte Wortberg. Insgesamt erwartet aber auch Wortberg kein unmittelbares Eingreifen: "Das ist eher Gerede, als dass eine Intervention unmittelbar bevorsteht."

In den kommenden Tagen könnte sich der Euro nach Einschätzung von Analysten neuen historischen Tiefstmarken nähern. Wortberg rechnet zwar nicht schon am Dienstag mit einem Durchbruch durch die Unterstützungsmarke bei 85 US-Cent, wohl aber in nächster Zukunft. Danach wäre die nächste Unterstützung für die Gemeinschaftswährung bei 0,8370/40 $. "Neue Rekordtiefs wären dann schon in Sichtweise", sagte Wortberg. Aus "markttechnischer" Sicht sei dies durchaus möglich. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte der Euro sein bisheriges Allzeittief von 0,8230 $ markiert.

Zum japanischen Yen fiel der Euro am Vormittag deutlich im Vergleich zu seinem Tageshoch aus dem asiatischen Handel. War die Gemeinschaftswährung in Fernost noch an der Widerstandsmarke von 104,50 Yen gescheitert, so durchbrach er wenige Stunden später Marktteilnehmern zufolge die Unterstützungsmarke bei 103,47 Yen nach unten. Nach dem Abrutschen unter diese Marke seien insbesondere europäische Fonds und institutionelle japanische Anleger als Euro-Verkäufer am Markt aufgetreten.

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