Negative Auswirkungen auf die Risikovorsorge
Worldcom belastet die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank ist insgesamt wohl mit 1,01 Milliarden Dollar bei dem insolventen US-Telekommunikationskonzern Worldcom engagiert. Dabei handelt es sich nach Angaben aus Bankenkreisen jedoch zum weitaus größten Teil nicht um Kredite, sondern um verwaltete Gelder, etwa von Gläubigern oder Fonds, für die die Bank kein Risiko trage.

Reuters FRANKFURT/M. Der Gesamtbetrag von 1,01 Milliarden Dollar geht aus dem am Sonntag von Worldcom eingereichten Antrag auf Gläubigerschutz hervor. Die Bank gab am Montag zu ihrem Engagement keinen Kommentar ab. Die Aktie der Bank reagierte mit einem deutlichen Abschlag.

Worldcom hatte am Sonntag Gläubigerschutz beantragt und damit für die größte Firmenpleite der US-Wirtschaftsgeschichte gesorgt. Vorausgegangen war das Eingeständnis der Firma, Kosten in Höhe von rund 3,85 Milliarden Dollar nicht korrekt verbucht zu haben. Früheren Angaben von Analysten zufolge ist Worldcom bei bis zu 60 Banken weltweit verschuldet. Zu den größten Gläubigern zählen unter anderem die US-Häuser JP Morgan Chase und die Citigroup.

Die Commerzbank erklärte unterdessen, nicht bei Worldcom engagiert zu sein. Die Münchener Rück bestätigte ein Engagement in Höhe von 80 Millionen Euro in Anleihen und Aktien von Worldcom. Aus Branchenkreisen hieß es am Montag, das Worldcom-Engagement der Allianz-Gruppe, zu der auch die Dresdner Bank gehört, belaufe sich auf 100 bis 200 Millionen Dollar. Ein Großteil davon entfalle auf Bonds. Mehrere deutsche Fondsgesellschaften gaben am Montag an, keinen Bestand an Worldcom-Papieren zu halten. Nach Aussagen von Fondsmanagern haben die großen Fonds ihre Bestände bereits vor Wochen auf Grund negativer Einschätzungen zur Telekombranche abgestoßen.

Deutsche Geschäftspartner, Kreditgeber und Versicherer von Worldcom hatten bereits Ende Juni ihre eigenen Risiken im Zusammenhang mit dem Unternehmen überwiegend als begrenzt bezeichnet.

Die Aktien der Deutschen Bank gaben zeitweise um mehr als fünf Prozent auf 59,55 Euro nach. Damit notierten die Papiere auf dem tiefsten Stand seit November 2001. Am Nachmittag lagen die Papiere mit 5,23 Prozent im Minus bei 59,80 Euro.

"Die Zahl ist eine Überraschung und ich erwarte einen starken Anstieg der Risikovorsorge bei der Deutschen Bank im zweiten Quartal, nicht nur wegen Worldcom", sagte Analyst Kurt Becker von der Privatbank Merck Finck & Co zu dem Engagement der Bank. Es bleibe allerdings abzuwarten, wie hoch der Anteil von Krediten und Bonds in dem Betrag von 1,01 Milliarden Dollar tatsächlich sei.

Neben der Deutschen Bank ist Worldcom zufolge von den europäischen Banken noch die niederländische ABN Amro mit insgesamt 753,1 Milliarden Dollar nennenswert bei Worldcom engagiert. Die ABN-Amro-Aktie gab zeitweise um rund sechs Prozent nach.

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