Negative Ertragsmeldungen im Herbst erwartet – Börsen könnten dennoch stabil bleiben
Neue Flut von Gewinnwarnungen rollt heran

Für das dritte Quartal drohen wieder Gewinnwarnungen und fallende Ertragsprognosen. Die Schätzungen der Analysten hinken der harten Realität immer noch hinterher. Einige Experten meinen aber, dass die Börsen kaum mehr negativ reagieren. Denn in den Aktienkursen sei bereits eine Menge schlechter Nachrichten berücksichtigt.

DÜSSELDORF. Für Anleger könnte es ein heißer Herbst werden. Denn bald beginnt die Berichtssaison für das dritte Quartal. Anlagestratege Bernd Meyer von der Deutschen Bank warnt vor "einer Riesenwelle" an Gewinnwarnungen, die auf die Börse zurollt. "In den nächsten Wochen werden wir zahlreiche Enttäuschungen bei den Unternehmenserträgen erleben", sagt Gerhard Schwarz, Chef der Abteilung Portfoliostrategie bei der Hypo-Vereinsbank. Dass die Schätzungen der Analysten immer noch zu optimistisch sind, darin sind sich die Strategen der Großbanken einig wie sonst selten. Umstritten ist jedoch, ob das bereits gewohnte Bild verfehlter Ertragsziele die Investoren noch schocken kann. Nur dann drohen weitere Kursverluste.

Für die Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) erwartet die Deutsche Bank einen Gewinneinbruch um sage und schreibe 40 % in diesem Jahr. Fast alle Strategen-Schätzungen liegen weit unter dem Minus von 27 %, das der Datendienst IBES aus den Einzelprognosen der Analysten für die 30 Dax-Unternehmen ermittelt hat. Auch bei den Prognosen für den US-Aktienindex S & P 500 und die europäischen Börsen gilt: Fast durchgängig erwarten die Strategieteams der Banken einen stärkeren Gewinnrückgang als die Einzelanalysten. Die Folge: Weitere Herabstufungen bei den Analystenprognosen erscheinen unvermeidlich.

Pessimisten und Optimisten streiten um 2002

Bei den Schätzungen für 2002 spaltet sich die Gruppe der Bankstrategen: Optimisten wie Commerzbank, Hypo Vereinsbank - und die Citigroup-Tochter Salomon Smith Barney erwarten eine kräftige Gewinnerholung. Pessimisten wie Morgan Stanley und die Dresdner Kleinwort Wasserstein sind viel vorsichtiger. So rechnen die Dresdner-Strategen in den USA 2002 mit einem erneuten Rückgang, während Europas Firmen ihre Gewinne gerade mal konstant halten dürften. Die Deutsche Bank erwartet einen starken Gewinnanstieg in den USA, aber nur eine gedämpfte Entwicklung in Europa.

Beim Dax fällt der erwartete Rückschlag - aber auch die erhoffte Erholung im nächsten Jahr - besonders krass aus. Der Grund: Zyklische Branchen mit starken Gewinnschwankungen sind im wichtigsten deutschen Kursbarometer übermäßig stark vertreten. Dazu zählen die High-Tech-Familie Siemens, Epcos und Infineon ebenso wie SAP sowie das Auto-Trio Daimler-Chrysler, BMW und Volkswagen. Zudem litten die Fluglinie Lufthansa, der Touristikriese Preussag und die im Dax ebenfalls überdurchschnittlich vertretenen Versicherer (Allianz, Münchener Rück) unter den US-Attentaten.

"Viele schlechte Nachrichten sind im Kurs enthalten"

Extreme Kurseinbrüche erwartet Stratege Schwarz indes eher nicht, denn: "Der Markt hat schon viel vorweggenommen". Das sieht sein Kollege Chris Johns vom niederländischen Geldhaus ABN Amro anders. "Die Börse bleibt anfällig für Gewinnenttäuschungen", meint Johns.

Hinzu kommt, dass Gewinnwarnungen nur ein Belastungsfaktor für die Börsen sind - neben politischen und konjunkturellen Risiken. "Wenn wir zugeschüttet werden mit negativen Nachrichten, dann wird der Markt kaum zu neuen Höhen aufbrechen", meint Deutsche-Bank-Stratege Meyer.

Die SItuation ausnutzen

"Entscheidend wird sein, ob die Investoren über dieses Jahr hinweg in die Zukunft blicken", sagt Rolf Elgeti, Stratege der Commerzbank in London. Er ist eher optimistisch: Viele Anleger hätten das laufende Jahr "konjunkturell und ertragsmäßig schon abgehakt". Sie setzten darauf, dass die Wirtschaft und die Unternehmensprofite sich im nächsten Jahr kräftig erholen.

Einige Unternehmen nutzten diese Situation übrigens geschickt aus, meint Elgeti: "Da wird bei einigen jetzt klar Schiff gemacht nach dem Motto ?derzeit gibt es ohnehin nur schlechte Nachrichten, also packen wir jetzt alle Belastungen in die Bilanz?", sagt der Commerzbank-Stratege. Damit stiegen die Chance einer starken Trendwende im nächsten Jahr, schätzt Elgeti - "auch wenn viele Anleger derzeit gar nicht mehr daran glauben mögen".

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