Negative Konjunkturaussichten erwartet
Abwärtstrend an Börsen setzt sich fort

Die Talfahrt an den Aktienmärkten setzt sich weiter fort. Die Börsen in Tokio und Frankfurt am Main verzeichneten am Donnerstag erneut Rückgänge.

ap/rtr FRANKFURT. Die Furcht vor einer weiteren Abschwächung der Weltkonjunktur hat an den deutschen Börsen am Donnerstag für weitere Kurseinbrüche auf neue Tiefstände gesorgt. Händler begründeten die anhaltende Talfahrt mit der Angst der Anleger vor einem Konjunktureinbruch sowohl in den USA als auch in Europa. "Es gibt keine Käufer, alle haben Angst", beschrieb ein Händler das Geschehen am Markt. Börsianer wollten angesichts des umsatzschwachen Handels aber noch nicht von einem Ausverkauf sprechen. Ein Charttechnik-Analyst sagte, der Dax könnte theoretisch auf bis 4 000 Punkte abstürzen, falls die gegenwärtige technische Unterstützung bei 5 500 Punkten nachhaltig nach unten durchbrochen werde.

Am Vormittag fiel der Deutsche Aktienindex (Dax) um 2,31 Prozent auf 5 492 Punkte, nachdem er zuvor ein 16-Monats-Tief bei 5 471 Punkten erreicht hatte. (Siehe auch: Dax-Intraday-Chart) Am Neuen Markt fielen die Indizes ebenfalls auf historische Tiefstände, der Blue-Chip-Index Nemax-50 fiel mit einem Tiefstand von 1 438 Punkten erstmals unter die Marke von 1 500 Punkten. Gegen Mittag lag der Index mit 1 454 Punkten noch um sechs Prozent unter dem Vortagesschluss. Vor rund einem Jahr hatte der Nemax-50 noch einen Höchststand von 9 665 Punkten markiert.

Schwäche der Tech-Aktien schlägt auf gesamten Markt durch

Am Markt mehrten sich die Befürchtungen, dass die in den USA herrschende Konjunkturschwäche die übrigen Volkswirtschaften in der Welt stark in Mitleidenschaft ziehen könne, sagten Händler. "Der Dow Jones hat gestern die Marke von 9 500 Punkten nach unten durchbrochen, es scheint also, dass die Schwäche im Technologiebereich auf den breiten Markt durchschlägt und Befürchtungen vor Gewinnwarnungen traditioneller Unternehmen aufkommen lässt", hieß es in Frankfurt. "Die Auswirkungen der Situation in den USA könnten noch viel schlimmer sein als wir es derzeit absehen." Welche Auswirkungen ein Ausverkauf an den Aktienmärkten auf den Euro hätten, sei nicht abzuschätzen. "Das Ganze ist ja ein weltweites Problem." Der Kurs des Euro sank wegen der Sorgen um einen Abschwung in Europa am Donnerstag im Vergleich zum Dollar ebenfalls auf den tiefsten Stand seit drei Monaten.

Michael Riesner, Technischer Analyst bei der DG-Bank, sagte, die gegenwärtige charttechnische Unterstützung von 5 500 Punkten sei für den Dax "alles entscheidend". "Sollte sie signifikant nach unten durchbrochen werden, also der Dax innerhalb der nächsten zwei Handelstage darunter bleiben, dann hat der Gesamtmarkt theoretisch ein mittelfristiges Kursziel von 4 000 Punkten." Die Marke von 5 500 Punkten sei deshalb entscheidend, da sie ein wichtiges Korrekturmaß für den Index darstelle. Bei einem weiteren Einbruch gebe es eine kleinere Unterstützung bei 5 000 Zählern. Allerdings verwies Riesner darauf, dass der Dax seit langer Zeit keinen panikartigen Ausverkauf gesehen habe.

Im Dax standen bis zum Mittag vor allem Finanz- und Technologiewerte unter Druck. Größter Verlierer war zunächst die Aktie von Siemens mit einem Minus von 5,1 Prozent. Das Unternehmen hatte auf der CeBIT in Hannover mitgeteilt, es gebe erste Anzeichen für eine Marktabschwächung für Chips, Computer und Handys in Europa. Am Markt mehrten sich zudem Zweifel über die finanzielle Zukunft der Telekomfirmen, nachdem sich diese für den Erwerb der UMTS-Mobilfunklizenzen und neuer Technologien hoch verschuldet hatten. Die Aktien der Deutschen Telekom verloren rund 2,5 Prozent an Wert.

Infineon legt überraschend zu

Gegen den Trend konnten sich die Aktien von Infineon an Wert gewinnen. Die Papiere des Halbleiterherstellers legten um mehr als vier Prozent zu, nachdem sein US-Konkurrent Micron Technology am Vortag mitgeteilt hatte, eine steigende Nachfrage im PC-Zulieferergeschäft zu verspüren.

Der Nebenwerteindex MDax verlor rund 3,4 Prozent auf 4283 Punkte.

Internationale Börsen folgen den schwachen Kursen in New York

An der New Yorker Börse schloss der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte am Mittwoch mit einem dicken Minus von mehr als 200 Punkten auf 9 487,00 Zähler und erreichte damit den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Die Technologiebörse Nasdaq gab um 27,21 Punkte auf 1 830,23 nach.

Der Nikkei Index für 225 Werten schloss am Donnerstag mit 12 853,97 Punkten. Gegenüber dem Vortag war dies ein Minus von 249,97 Punkten oder 1,91 Prozent.

Konjunkturexperte für Zinssenkung im Euroraum

Der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gustav Horn, rechnet auch in den nächsten Monaten mit einem `enttäuschenden" Wachstum in Deutschland von voraussichtlich deutlich weniger als drei Prozent. Als Grund nannte Horn im DeutschlandRadio Berlin die schwache Nachfrage im Inland.

Diese habe ihre Ursache in den schlechten Entwicklungen in der Baubranche im Osten und in den sehr mäßigen Lohnsteigerungen bundesweit. Der private Verbrauch würde dadurch gedämpft. So könne aber auch die Zahl der Arbeitslosen nicht weiter zurückgehen, sagte Horn.

Die Steuerreform wirke sich dagegen günstig auf die Binnennachfrage aus. Horn rechne daher auch nicht mit einer Rezession. Eine Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank nach dem amerikanischen Vorbild könne die Konjunktur weiter stabilisieren, sagte Horn.

Nach einer vom Handelsblatt in Auftrag gegebenen Umfrage unter Führungskräften der deutschen Wirtschaft ergab sich jedoch eine Mehrheit gegen eine Zinssenkung. Mehr als die Hälfte der Befragten sprachen sich den Angaben zufolge dafür aus, die Leitzinsen unverändert zu lassen. 45 Prozent forderten eine Lockerung der Zinszügel.

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