Negative Meldungen sind jetzt verarbeitet
Dax-Ausblick: Eine Bodenbildung ist in Sicht

Nachdem sich jüngst die Kurse an den wichtigsten Börsenplätzen erholen konnten, glauben Analysten an eine Bodenbildung. Das bedeutet zumindest, dass die Aktien nicht weiter fallen sollten. Bei einigen Titeln gibt es sogar Einstiegssignale.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. "Der Deutsche Aktienindex befindet sich in den letzten Tagen einer Bodenbildung", sagt Marktstratege Richard Zellmann von der Helaba Trust. Die Relation Kursgewinner zu Kursverlierer im Dax verbessere sich. Und das sei ein Anzeichen, dass der Verkaufsdruck der letzten Wochen und Monate nachgegeben habe.

Aus charttechnischer Sicht befinde sich der Dax zwar noch in einem mittelfristigen Abwärtstrend, doch die kommende Börsenwoche soll nach Auffassung des Experten freundlich werden. "Kurzfristig dürfte der Dax Aufwärtspotenzial haben und sich in der nächsten Woche zwischen 6 350 und 6 650 Punkten bewegen", prognostiziert Zellmann. Noch wartet er darauf, dass sich diese Tendenz bestätigt und auch institutionelle Anleger wieder kräftiger investieren. Die Chance, dass sich die Abwärtstrends auf den Aktienmärkten zum Positiven drehen könnten, sei aber größer geworden.

Privatanlegern empfiehlt Zellmann, zurzeit "noch in der Warteposition zu lauern". Sie sollten also nicht ihr gesamtes Geld jetzt in Aktien investieren, sondern gut auswählen. Zellmann hält die SAP-Aktie oder auch Nokia für interessante Werte. Den Bankensektor hingegen stufte er jüngst von "Kaufen" auf "Neutral" herunter. Hier gab es positive Meldungen und gute Kursentwicklungen. Mit der Börsenweisheit "Sell behind the Facts" - Verkaufe, wenn es gute Meldungen gibt, begründet er seinen künftige Einstufung. Auch für den Technologiesektor äußert sich der Experte noch vorsichtig: "Wir rechnen erst im zweiten Quartal damit, dass Wachstumswerte wieder auf die Gewinnerstraße einbiegen." (Einschätzungen der Helaba Trust für alle Dax-30-Werte am Ende dieses Artikels.)

Marconi ist eine unentdeckte Perle

Der für den Technologiesektor bei der Helaba Trust zuständige Analyst Martin Kohlhase empfiehlt Privatanlegern, sich zurzeit noch mit Käufen in diesem Sektor zurückzuhalten. Es bestehe die Gefahr, dass negative Unternehmensmeldungen der in zwei Wochen beginnenden Berichtssaison Auswirkungen auch auf europäische Tech-Aktien zeigen könnten.

Den Technologiesektor schätzt er auf Sicht von sechs Monaten als neutral ein. "Technologieaktien sollten sich insgesamt marktkonform zum Euro Stoxx 50 entwickeln", sagt der Kapitalmarktexperte. Erst im zweiten Halbjahr 2001 sollten Aktien des Sektors wieder vom Anlegerinteresse profitieren und steigen. Dazu müsse zunächst geklärt sein, wie groß in den USA die Abkühlung der Konjunktur ausfalle - also ob es zu einer Rezession komme.

Es gebe allerdings auch Werte, die bei der Helaba auf der Empfehlungsliste stünden. Dies seien beispielsweise die Nokia-Aktie, Ericsson oder auch Marconi. Die Marconi-Aktie, die momentan um die 11 Euro notiert, sei eine "noch nicht entdeckte Perle". Kohlhase vergleicht den Titel mit einer "Alcatel-Aktie vor fünf Jahren". Marconi habe in den vergangenen 18 Monaten zahlreiche Desinvestitionen und auch Akquisitionen vorgenommen und sei in zunehmendem Maße als ein reines Kommunikationsunternehmen aufgestellt. Obwohl zahlreiche institutionelle Anleger den Wert nicht in ihrem Portfolio hätten, weil er nicht im Euro-Stoxx-Index enthalten sei, lautet die Einschätzung des Analysten auf "Übergewichten".

Aufwärtsrally in den kommenden Wochen wahrscheinlich

"Die Chance, dass es in den nächsten Wochen eine Aufwärtsrally gibt, ist größer geworden", sagt Gerhard Schwarz, Portfolio-Stratege bei der Hypo-Vereinsbank . Allerdings warnt der Experte: "Der Markt kann auch kurzfristig schnell wieder drehen."

Viel Pessimismus sei bereits in den Kursen enthalten. Daher geht Schwarz davon aus, dass nicht mehr allzuviel an negativen Meldungen Einfluss auf die Aktienkurse nehmen werden und die Kurse tendenziell wieder freundlicher werden. Wichtig für eine echte Trendwende sei besonders, dass auch die Notenbank-Chefs davon überzeugen könnten, dass eine Rezession vermindert werden könnte. Schwarz rechnet auch in Euroland mit einer Lockerung der Zinspolitik - wie sie in den USA jüngst begonnen hat. Dass es zu einer Rezession in der US-Wirtschaft kommt, glaubt Schwarz nicht.

Vor diesem Szenario prognostiziert er für die kommende Woche Dax-Stände zwischen 6 500 und 6 800 Punkten. Im nächsten halben Jahr erwartet der Experte, dass der Dax bis zu 15 % zulegen kann. Kleinanlegern empfiehlt er daher, zurzeit langsam und gezielt Aktienpositionen aufzubauen. Besonders die Chemie-Branche hält er für aussichtsreich. Kurzfristig sollten seiner Meinung nach auch Konsumtitel, z.B. der Einzelhandel wegen der fallenden Zinsen profitieren können. Außerdem empfiehlt er ausgewählte Titel der Bereiche Transport und Logistik. Kaufenswert seien die Deutsche Post, Deutsche Lufthansa und Preussag. Im Technologiesektor stuft Schwarz die Aktien von Epcos, Nokia und Philips positiv ein.

Märkte stabilisieren sich - Trendwende noch fraglich

Die DG Bank geht davon aus, dass sich auf dem Parkett noch keine Trendwende abzeichnet. "Ob die kräftigen Erholungen eine Trendwende darstellen, ist zweifelhaft", schreiben die Analysten in ihrem wöchentlichen Ausblick. Sie geben zu bedenken, dass in der kommenden Woche weitere US-Konjunkturzahlen veröffentlicht werden. Beispielsweise Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktionszahlen und die Kapazitätsauslastung könnten den Rezessionsängsten auf dem amerikanischen Aktienmarkt "neue Nahrung geben".

Auch die in den USA und Deutschland zu erwartenden Unternehmensmeldungen zum vierten Quartal sprächen zunächst noch für anhaltend hohe Kursschwankungen. Doch auch die Analysten der DG Bank sehen Chancen für eine nachhaltige Bodenbildung.

Bei den Empfehlungen der DG Bank hat es eine Veränderung gegeben. Aus ihrer Top-Liste für besonders favorisierte Aktien haben die Kapitalmarktexperten die Fresenius-Vorzüge herausgenommen. Sie rechnen kurzfristig nicht mehr mit einer besseren Entwicklung im Vergleich zum Gesamtmarkt (Outperformance). Dafür wurde die Syngenta -Aktie in die Empfehlungsliste neu aufgenommen. Das aus der Ausgliederung der Agrosparten (Pflanzenschutz- und Saatgutprodukte) von Novartis und Astrazeneca entstandene Unternehmen sei die erste börsennotierte Gesellschaft, die sich ausschließlich auf diesen Bereich spezialisiert habe. Durch den momentan günstigen Kurs sei der Titel im Vergleich zu den Wettbewerbern unterbewertet und habe ein Kurspotenzial von 40 %.

In der Empfehlungsliste der DG Bank rangieren weiterhin die Aktien von Aixtron, Computer-Links, International Media, Kabel New Media, Linde, LPKF, Medion, Rhein Biotech, RWE und Siemens. Unter den europäischen Aktien sind neben Syngenta auch Ericsson, ING, Philips und Nestlé in der Kaufliste enthalten.

Die strategischen Empfehlungen der Dax-30-Aktien von der Helaba zeigt die folgende Tabelle:



Hessische Landesbank

 Gewinn je Aktie 00eGewinn je Aktie 01eEmpfehlungDatum Empfehlung
Adidas Salomon4,204,80Kaufen03.11.00
Allianz14,2016,80Halten18.09.00

BASF

2,213,09Kaufen10.11.00

Bayer

2,753,07Halten21.11.00

BMW

1,862,80Halten01.08.00

Commerzbank

3,082,31Halten20.11.00
Daimler-Chrysler3,521,62Halten28.07.00

Deutsche Bank

7,907,90Halten28.11.00
Degussa-Hüls2,342,85Kaufen (Halten)12.12.00
Dresdner Bank1,742,38Halten09.11.00
Deutsche Telekom0,060,14Kaufen01.12.00

Eon

5,303,93Halten11.12.00

Epcos

3,684,25Halten04.08.00

FMC

2,513,02Halten10.11.00

Henkel

Vz.
3,123,52Halten (Kaufen)14.11.00

Hypo

-Vereinsbank
2,412,98Halten25.07.00

Infineon

1,832,26Halten08.11.00
Karstadt Quelle1,202,10Kaufen24.10.00

Lufthansa

1,601,80Kaufen28.08.00

Linde

2,402,75Kaufen (Halten)28.08.00

MAN

2,522,60Halten19.10.00

Metro

1,101,30Kaufen10.10.00
Münchner Rück.8,609,80Halten22.09.00
Preussag1,922,10Verkaufen19.10.00

RWE

2,242,40Kaufen31.05.00

SAP

Vz.
2,182,79Kaufen19.06.00

Schering

1,532,14Halten19.12.00

Siemens

4,465,00Halten17.11.00
Thyssen Krupp0,941,26Halten11.12.00

Volkswagen

4,585,91Kaufen30.10.00
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