Negative US-Vorgaben
Europabörsen: Versicherer und Techs brechen ein

Die europäischen Aktienmärkte sind am Montag bei breitgestreuten Verlusten eingebrochen. Gewinnwarnungen von US-Unternehmen, Zweifel am Zustand der globalen Konjunktur und Kriegsängste um Irak hätten die Stimmung am Markt getrübt, sagten Händler.

Reuters FRANKFURT. Der DJ Stoxx50-Index fiel um 5,3 Prozent auf 2 313 Punkte. Hart traf es die Versicherungswerte. Sorgen wegen der Schwäche der Finanzmärkte und die Ankündigung des französischen Rückversicherers Scor, am Markt Kapital aufnehmen zu wollen, hätten zu Abgaben geführt. Die Scor-Titel brachen rund 30 Prozent ein. Skandia fielen weitere 21 Prozent. Der schwedische Versicherer hatte in der Vorwoche mitgeteilt, 255 Millionen US-Dollar in sein US-Geschäft einzuschiessen. Münchener Rück verloren gegen elf Prozent.

Unter starkem Druck standen auch Technologie- und Telekomtitel wie Ericsson mit minus 14 Prozent. Medienkonzern Vivendi sah ein Verlust von 12,7 Prozent. In Madrid büssten die Großbanken BBVA und BSCH 6,8 und 4,5 Prozent ein. Die Anleger seien im Vorfeld der Wahlen am Sonntag in Brasilien, wo viele der spanischen Großkonzerne engagiert sind, besonders vorsichtig.

LONDON: Die Londoner Aktienbörse gab aufgrund schwacher US-Konjunkturdaten und leichteren US-Aktien markant nach. Der FTSE 100-Index büßte 4,75 Prozent auf 3721,8 Zähler ein. Händler erklärten, die Talfahrt sei von Banken-, Finanz- und Einzelhandelswerten ausgegangen. Versicherungswert Royal & Sun büßte 8,8 Prozent ein. Händler verwiesen auf die von der französischen Scor angekündigten Kapitalerhöhung. Bei den Bankenwerten fielen HBOS 8,8 Prozent, Lloyds sieben Prozent und Barclays 6,1 Prozent. Die Banken litten weiter unter Sorgen über unsichere Kredite, hieß es. Im Einzelhandelssektor habe die Senkung der Umsatzprognosen des US-Branchenführers Wal Mart für Verkaufsdruck gesorgt. Zu den wenigen Ausnahmen gehörten nach guten Geschäftszahlen die Aktien des Einzelhändlers von Gesundheits-Produkten Boots.

ZÜRICH: Die Schweizer Aktien schlossen bei bescheidenen Volumen auf breiter Front deutlich schwächer. Dank der defensiven Zusammensetzung hielt sich der Schweizer Markt aber besser als andere europäische Börsen. Der Standardwerteindex SMI schloss um 2,57 Prozent tiefer bei 4783,0 Zählern. Es gab kaum unternehmensspezifische Neuigkeiten, sagten Marktbeobachter. "Wir waren durchs Band weg schlecht," so ein Händler. Sämtliche SMI-Titel schlossen im Minus. Bei den Finanzwerten verbuchten Swiss Re und CS Group als größte Verlierer im Sektor Abschläge von 5,3 und 4,5 Prozent. Die defensiven Schwergewichte Nestle und Roche wurden mit Abgaben von 1,2 und 0,9 Prozent weniger in Mitleidenschaft gezogen als der Gesamtmarkt.

PARIS: Die Pariser Börse fiel bei einer trüben Marktstimmung auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Der CAC 40 Index verlor 5,86 Prozent auf 2778 Zähler. Sorgen bezüglich der künftigen Unternehmensgewinne führten laut Händlern zu einer Verkaufswelle bei Technologie-, Bank- und Versicherungsaktien. Die Titel des Rückversicherers Scor büssten nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung 30,4 Prozent ein. Versicherer Axa verlor 9,6 Prozent. Hauptkursverlierer im Technologiesektor war das IT-Unternehmen CAP Gemini mit minus 14,2 Prozent. Händler verwiesen dabei auf negative Nachrichten von Intel. Die Titel des Telekomriesen France Telecom büssten zwölf Prozent ein. Die Papiere des Medienkonzerns Vivendi Universal gaben 12,7 Prozent nach. Händler verwiesen auf einen Zeitungsbericht, wonach der Verkauf des italienischen Bezahl-Fernsehsenders Telepiu an News Corp gefährdet sein könnte.

BENELUX: Finanz- und Techwerte führten eine lange Verliererliste an den Benelux-Börsen an. Der Amsterdamer AEX Index brach 6,14 Prozent auf 296,36 Zähler ein und der Brüsseler Bel20 Index verlor 3,38 Prozent auf 1869,09 Punkte. Im Finanzsektor verloren ABN Amro, Fortis und ING je rund zehn Prozent. Unter den Hightechwerten fielen Philips 6,1 Prozent. Auch bei den Einzelhändlern wie Ahold und Delhaize kam es mit minus 9,2 Prozent und minus 5,1 Prozent zu größeren Kursverlusten. Für etwas Aufhellung sorgten Aktien des IT-Unternehmens Getronics, die 15,9 Prozent in die Höhe schnellten. Händler verwiesen dabei auf den angekündigten Verkauf einer US-Geschäftseinheit zur Schuldenreduktion.

MAILAND: Der Mib30-Index der Mailänder Börse verlor mit minus 4,37 Prozent auf 21.577 Zähler ebenfalls markant an Terrain.

MADRID: An der Madrider Börse notierte der Ibex 35 Index um 3,53 Prozent schwächer bei 5431,7 Punkten. Bei den Schwergewichten rutschten Telefonica 5,5 Prozent, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria gut sieben Prozent und Santander Central Hispano 4,5 Prozent ins Minus. Unter Druck standen auch die Titel des Erdölwertes Repsol YFP, die 2,4 Prozent nachgaben. Händler verwiesen auf die Wahlen bevorstehenden Wahlen in Brasilien. Der brasilianische Real war auf ein neues historisches Tief gefallen.

SKANDINAVIEN: Der DJ StoxxNordic-Index der skandinavischen Börsen büßte rund 5,8 Prozent auf 212,5 Zähler ein. Als Belastung erwiesen sich Finanzwerte und schwer gewichtete Technologieaktien. Unter starkem Druck standen Ericsson, die einen Umsatzrückgang im laufenden Quartal angekündigt hatte. Die Titel verloren 14 Prozent. Konkurrent Nokia ermäßigten sich um 6,7 Prozent.

WIEN: Die Wiener Börse schloss gegen den Trend fester. Der ATX-Index stieg 0,5 Prozent auf 1070,21 Punkte. Merklich zulegen konnten Voest-Alpine, die mehr als sieben Prozent gewannen. Es gäbe ein paar Kaufempfehlungen zu Voest von internationalen Häusern, sagte ein Händler. OMV tendierten trotz des steigenden Ölpreis seitwärts. Telekom Austria bröckelten erneut ab und schrieben ein neues Jahrestief von 7,60 Euro.

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